Posted by on 18. Juli 2023

Oder: wenn Zeiten keine Rolle spielen

Am Freitag Abend starteten die verschiedenen Crewanteile nach Frankreich:

  • Team 1 war bereits einige Tage zuvor in Paris, um die Lage zu checken.
  • Team 2 startete am Nachmittag in Spandau mit dem gefühlt kleinsten Auto der Welt in einer 12-Stunden-Tour.
  • Team Flughafen machte sich noch einen netten Nachmittag bzw. Abend auf dem Bürgeramt, um einen Pass und ein gestohlenes Kennzeichen zu melden.
  • Team 3 startete am ZOB in Berlin für eine 12-Stunden-Busfahrt.
  • Team 4 startete einfach sinnvollerweise in und bei Metzingen und sparte sich ein paar Stunden, indem vorher eine fette Party bei einem größeren Modelabel gefeiert wurde.

Die Teams vereinigten sich schließlich bei einem gemeinsamen Frühstück in Paris, das sich noch von den Feiern zum Nationalfeiertag erholen musste. Zusammen ging es im ganzen Zug verteilt durch die Normandie nach Cherbourg.

Proviantierung in Cherbourg

Nachdem sich die Crew in Vollständigkeit versammelt hatte, begannen wir zügig mit der Proviantierung. Neben dem üblichen Großeinkauf besorgte eine kleine Gruppe in der Innenstand lokale Spezialitäten der Normandie. Der folgende Snack im Cockpit wurde mit großer Begeisterung angenommen und sorgte für kleinere Verzögerungen.

Fromage hardcore

Den Liegeplatz teilten wir uns mit einem alten Ocean Racer VO60 samt Jugendbesatzung im Päckchen. Diese hatten noch einige Reparaturen vor sich, nachdem sich der Großbaum unter der Last des dritten Reffsterts komplett verformt hatte. Das passiert, wenn das Material nicht entsprechend verstärkt ist. Wir halfen durch passendes Umlegen im Hafen und er(re)gatterten uns damit auch noch eine kurze Bootsbesichtigung.

Der Samstag startete mit kurzer Sicherheitseinweisung und Ausbildung auf allen Ebenen, sodass wir nach einem perfekten Ableger des namentlich hier nicht genannten AOM den Hafen von Cherbourg durch die Ost-, äh, West-, also Ostausfahrt verlassen konnten. Wenig später entfiel die Landabdeckung, sodass der Wind mit 6-7 Bft. aus West und die sich ordentlich aufgebaute Welle zu einer großen Nachfrage der an Bord befindlichen Pützen führten. Nach einer ersten Eingewöhnung konnten dann doch noch alle die Überfahrt und die herrliche Einfahrt in den Solent genießen. Der Wachführerkandidat navigierte uns punktgenau mit achterlichen Winden und mitlaufendem Strom durch die Needles und nach Cowes - die ersten 81 Seemeilen waren geschafft.

Die Zeitenfrage

Raus aus Cherbourg und auf dem Weg nach Cowes stellte sich natürlich die Frage: Wie spät ist es eigentlich? Der Schiffer und die anderen Schiffer an Bord kamen zu dem Schluss: Am einfachsten sollten wir die Zeit auf den Gezeitenkarten nehmen… also lokale Zeit ... oder UT. Und GMT. BST, MESZ, und MEZ. CET, CEST, is nich ok. UTC, mit freundlichen Grüßen, die Zeit liegt uns zu Füßen, denn wir segeln drauf, und stehen drauf. Also wurden fix alle Berechnungen und Karten auf UTC ungerechnet… Und wieder zurück. Easy…

Nummer Acht:
Der Wind, er weht, die Sonne lacht,
die Fock, sie wird gleich angebracht,
der Logge geht nie unter acht,
den Peter freut’s, er sitzt und lacht.

Ankunft in Cowes

In Cowes angekommen stellte sich die nächste navigatorische Herausforderung. Das Aufstehen für den ersten Trainingstag wurde auf pünktlich sieben angesetzt. Aber welches sieben Uhr? Die Trainingszeiten wurden zwar durch die Fähre (Niedrigwasser laut Karte in BST) begrenzt, während die Frühaufsteher noch in Festlandssommerzeit unterwegs waren und die Mobiltelefone sich auf die lokale Zeit eingestellt hatten, während die Schiffsführung noch dank Reeds in UTC rechnete. Um nicht vollends durcheinander zu kommen, wurde eine neue Zeitenwende beschlossen. Seitdem leben wir nur in der britischen Sommerzeit. Das vereinfacht das Leben mit dem dieses Gewässer umgebenden Land erheblich.

Cowes… Insel… Abenteuer… Popometer… Reff… Einhörner… schwimmende Fische… alles hier…

Wir genießen die zwei Tage am Steg, weil: danach geht es an die Mooring. Honulu! Wir üben uns fleißig im An- und Ablegen, im Spibergen und Setzen und natürlich in Spihalsen ohne Kommunikation… Und dann mal mit Kommunikation. Ergebnis: es gibt einen Unterschied zwischen beiden Manövern. Seitdem bevorzugen wir letztere. Morgen stehen vielleicht auch das Spiwenden um alle Achsen auf dem Programm. Oder was uns noch so einfällt. Immerhin können wir dank Hazel und der ihr gemachten schönen Augen für die kommenden Wochen frei über unseren Storage verfügen. Heute wurde mit Ankerkette, Beiboot und anderen Kleinigkeiten bereits der erste große Schritt des Ausräumens getan. Morgen geht es direkt weiter mit dem Erleichtern des Schiffes, den Formalitäten für die Regatten und dem Spaß an Bord. Denn wir wissen manchmal nicht so genau warum, aber von letzterem haben wir reichlich dabei.

Nummer Vier:
Die Crew zum Abend, nur noch Flausen.,
Der Kopf beginnt langsam zu rauchen,
sie sinnieren schon über Münchausen,
die Vier ist heute nicht mehr zu g'brauchen.

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