Posted by on 15. Juli 2023

Riccardo Petschke (ASV) berichtet von den Erlebnissen seines Teams WannSea während einer ereignisreichen Woche in Monaco: Vom 3. bis 8. Juli fand die Monaco Energy Boat Challenge statt, bei der WannSea mit seinem selbst gebauten Elektroboot "1C23" antrat. Kleiner Teaser: Auch prominente Segler interessierten sich für die studentische Intitiative aus Berlin.

Montag, 03. Juli 2023: Die Woche auf der MEBC beginnt

Das Team traf Stück für Stück in Monaco ein. Einige per Auto, andere mit dem Zug. Ohne wirklich ausreichend geschlafen zu haben, begannen wir am Montag gleich mit dem Aufbau des Bootes. Das dauerte etwas, da es in viele Einzelteile zerlegt transportiert worden war.

Dienstag:

Dank der Vorarbeit am Montag waren wir als erstes deutsches Team auch eines der ersten Teams, die am Dienstagvormittag schon ein fertiges Boot an der Pier stehen hatten. So konnte die Jagd auf das technische Komitee beginnen.
 
Das Komitee bestand aus ehemaligen MEBC-Teilnehmern, die das Regelwerk für die Regatta geschrieben hatten und dafür sorgen mussten, dass alle Boote die Regeln einhielten. Sie gingen penibel vor: Der Fahnenmast musste genau 2 m - nicht 1,95 m - über der Wasserlinie sein. Ähnlich wurden an unserem Boot andere, vielleicht etwas wichtigere, Kleinigkeiten bemängelt.
 
Doch als erstes Boot von 16 weiteren in der Energy Klasse waren wir dann am Dienstagabend auf dem Wasser! Die Italiener aus Bologna, das Gewinner-Team der diesjährigen Regatta, sagte mir, wie beängstigend es gewesen sei, zu sehen, dass unser Team den grünen Haken vor ihrem bekam. Denn in den letzten Jahren hätten sie ihn immer als erste bekommen.
 
Nebenbei fuhr unsere Pilotin Lea mit der "1C23" durch den Hafen und zog ein Foil Board hinter sich her.
 
Nicht zu vergessen: Boris Herrmann schaute interessiert bei uns vorbei und nahm uns sogar mit auf sein "Böötchen". Uns fiel die Ähnlichkeit zwischen WannSea und der Malizia auf: Beide sind durch Sponsoren finanziert und beide verfolgen das Ziel einer nachhaltigen Welt. Climate action now!

Mittwoch:

Unser Team ging selbstsicher zu seinem Boot. Alles schien perfekt. So langsam ließen auch andere Teams ihre Boote zu Wasser.
 
Der gesamte Tag stand uns zum Testen zur Verfügung. Ziemlich wichtig, da unser Boot zuvor noch nie mit den MEBC-Rümpfen gefahren war. Doch unsere selbstdesignten Schrauben funktionierten tadellos. Die Gewichtsverteilung war ebenfalls günstig. Das Boot fuhr sich sehr gut.
 
Fürst Albert II von Monaco stattete der MEBC am Mittwoch ebenfalls einen Besuch ab!
Maximilian, technischer Vorstand im Team, und ich waren gerade in der dritten Etage des Yacht Clubs und übten unsere Tech-Talk-Präsentation für später. Da sahen wir plötzlich den Fürsten vor dem Berliner Bären stehen. Wir sprinteten hinunter und - leicht schwitzend - hatte ich dann die Ehre, mich über 10 Minuten mit ihm über unser Boot zu unterhalten. Besonders begeisterte ihn der sichtbar nachhaltige Look des Bootes. Ich versuchte ihm die Schwierigkeiten, denen wir beim Bau begegnet waren, zu erklären. Er nickte und wir waren uns schnell einig: Leichtbau und Effizienz sind leider noch nicht die besten Freunde der Nachhaltigkeit…
 
Anschließend stand für unser Team die Eröffnungszeremonie an. Die Regatta konnte beginnen!

Donnerstag: 

Während der Parade lief alles gut. Die "1C23" fuhr mit allen anderen Booten im Hafen umher und auch vor Monacos Ozeaneum. Die Drohnen Bilder erwarten wir noch.
 
Anschließend ging es dann mit den Qualifying Laps (mehrere Runden, von denen die schnellste gewertet wurde) weiter. Lea fuhr mehrere gute Runden und erreichte den 4. Platz in der Energy Klasse! Das war der Beweis dafür, dass Bambus- und Holzbauten mit Carbon und Glasfaser anderer Teams mithalten konnten!
 
Unser effizientes System machte Eindruck. Doch leider nicht lange genug.

Freitagvormittag:

Der erste Tag der "richtigen" Regatta sollte beginnen. 4 Stunden Fahren im Kreis standen an, die sogenannte Endurance Race. Genau darauf war unser Boot ausgelegt.
 
Die "1C23" stand neben den Italienern aus Bologna im Wasser und war eigentlich startklar. Doch sie startete nicht. Nach den ersten Troubleshootings fiel uns auf, dass es sich um ein größeres Problem handelte.
 
Mittlerweile wurden alle Boote ins Wasser gelassen und begannen ihre Runden zu drehen. Wir hatten noch die Hoffnung, verspätet an den Start gehen zu können. Doch Stunde um Stunde verstrich und wir fanden an dem von uns gebauten System keinen Fehler. Es musste der Motor sein.

Eines der wenigen Teile, die wir zugekauft hatten und von denen man meinen könnte, dass diese funktionieren, versagte. Wir vermuteten, dass Wasser in die Gondel unseres Motors eingedrungen war. Anders konnten wir uns das Versagen des Torqeedo-Motors nicht erklären.

Am Freitag begann unser Team einen unerbittlichen Kampf. Aufgeben und das Handtuch werfen war keine Wahl!

Freitagnachmittag:

Nachdem unser Motor den Geist aufgegeben hatte, verfolgten wir nun zwei Pläne:
 
Plan A war, an der Küste bei einem Händler einen zweiten Motor zu finden. Vergeblich. Nach über 12 Stunden des durchgehenden Telefonierens konnte der Chef von Torqeedo Europa uns nicht helfen.
 
Doch Plan B war erfolgreich!! Das Team Physis aus Mailand überließ uns seinen Motor! Ihr Boot durfte aus verschiedenen Gründen gar nicht an den Start, aber das Team wollte den Motor gerne fahren sehen und war sehr hilfsbereit. Die Ingenieure unserer beiden Teams verstanden sich auf Anhieb. Deutsch und Italienisch sind zwar verschiedene Sprachen, doch wenn man einen Maulschlüssel, eine Ratsche oder einfach nur die M-XY-Schraube sucht, dann versteht man sich ;).
 
WannSeas Team Energy und Team IT brachten den italienischen Motor, der nun an unserer Halterung fixiert war, zum Laufen und am Samstagmorgen wurden wir unter enormen Zeitdruck durch eine zweite technische Inspektion gebracht.

Samstag:

Nun erfolgte die Teilnahme am Slalom Race. Wir holten uns den 7. Platz von 12. Die Pilotin fuhr recht vorsichtig - verständlicherweise, da sie das Boot mit neuem Motor zuvor noch nie gefahren war.
 
Leider hielt das System nicht lange. Irgendwas brannte nach dem Slalom Race durch. Wir konnten in den wenigen Stunden, die uns bis zum Championship Race verblieben, den Fehler nicht beheben und so genossen wir dieses letzte spannende Race von insgesamt dreien als Zuschauer.
 
Trotz allem waren wir glücklich, da wir bewiesen hatten, dass unser Boot fuhr und dass unsere Ingenieure auch Krisen bewältigen konnten.
 
Und so bekamen wir für das „Out of the Box“-Denken am Samstagabend einen Sonderpreis, den "Smart Low Tech"-Preis. Unser Team war der Jury positiv aufgefallen. Mit dem Treppchen konnte es natürlich nichts werden. Doch diesen Sonderpreis bekamen wir nicht ohne Grund :).

Sonntag:

Sonntag packten wir, was immer länger dauert als man denkt. Aber um 13 Uhr trat das Boot, wieder auseinander gebaut, im Bio-CNG-Truck seine Rückreise nach Berlin an.

In den letzten Tagen erholte sich das Team. Das war wichtig: Im September steht schon die nächste Regatta an! Eine Solarboot-Regatta in Wildau!

Riccardo für WannSea

Wir verwenden Cookies, um die Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen: Datenschutzerklärung/Cookie-Richtlinie

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen