Posted by on 8. August 2026

Am Übergabetag treffen nach und nach die ersten Atlantiküberquerer ein. Nur zwei Crewmitglieder lassen noch auf sich warten: Die einen verweilen nach einer Reihe kräftezehrender Wettfahrten noch in Genf, die anderen bangen in Deutschland um das rechtzeitige Eintreffen des Visums. Wir beginnen die gemeinsame Zeit ganz entspannt. Gleichzeitig nimmt jene Einkaufsserie ihren Anfang, die uns in den kommenden Tagen begleiten wird. Mit strahlenden Gesichtern kehren die Marktgänger zurück, schwer beladen mit Erdbeeren und Mangos aus den Auslagen des Wochenmarkts. Endlich lässt sich die über den Sommer schmerzlich vermisste Portion Erdbeerglück nachholen.

In den ersten Tagen bringen wir das Schiff auf Vordermann: Wir erledigen die letzten Checks, aktualisieren die Seekarten und setzen bei einer abendlichen Runde durch das Hafenrevier von Boston die frisch aus der Segelmacherei gelieferten Segel. Währenddessen zieht eine Erkältungswelle durch die Crewunterkünfte und tastet sich langsam vom Salon in Richtung der achteren Kojen vor. Wen sie noch erreichen wird, bleibt vorerst ein ungelöstes Rätsel, dessen Antwort spätestens mit dem Ende der Inkubationszeit feststeht. Die jüngsten Nachrichten stimmen jedoch optimistisch: Neue Fälle sind bislang ausgeblieben, und die Erkrankten befinden sich auf dem besten Weg zur vollständigen Genesung.

Mit der Ankunft unseres letzten Crewmitglieds ist die Mannschaft endlich komplett. Zur Feier des Tages heizen wir den marinaeigenen Weber-Gasgrill an und bereiten auf dem Steg Burger sowie vegane Köstlichkeiten zu. Ganz nebenbei beginnt damit auch der praktische Teil der Sicherheitsunterweisung, erweitert um ein überraschendes Zusatzmodul zur Brandbekämpfung. Als sich die Flammen kurzzeitig zu ungeahnter Größe aufschwingen und beinahe jene Höhe erreichen, die sie vom Boot trennt, beweist die Crew bemerkenswerte Ruhe. Mit sicherer Hand, klarem Blick und beeindruckender Zielstrebigkeit wird das Feuer rasch wieder in seine Schranken verwiesen. Ein eindrucksvoller Nachweis, dass die Sicherheitsunterweisung ihre Wirkung nicht verfehlt.

Am Donnerstag ist es schließlich so weit: Nach Tagen voller Vorbereitungen und Arbeiten soll der Kurs auf Halifax gesetzt werden. Doch bevor wir Boston verlassen können, wartet noch eine letzte Herausforderung. Die formelle Ausreise unserer Crew entwickelt sich zu einer kleinen Odyssee, in der deutscher Ordnungssinn und amerikanische Bürokratie aufeinandertreffen. Das Ergebnis fällt denkbar eindeutig aus. Erst nach mehreren Stunden halten wir die notwendigen Formalitäten für erledigt - "... Fahrt doch einfach weg, es gibt keine Reportpflicht bei der Ausreise." Die Leinen fallen, Boston bleibt achteraus zurück, und wir feiern den Aufbruch mit frischen Farewell-Donuts. Die dreitägige Überfahrt wird von frisch gebackenem Schlumpfbrot, einer Prise Seekrankheit und ausgiebiger Bärchenspi-Segelei begleitet. Damit startet gleichzeitig das Intensivtraining für gelungene Spi-Anleger in Hamburg.

In der zweiten Nacht entdecken wir die erste Walflosse achteraus. Nur wenige Stunden später folgt eine Begegnung, auf die wir gerne verzichtet hätten: Mitten in der Nacht streifen wir ein undefinierbares Objekt. Nach einer gründlichen Schadenssuche ohne jeden Befund setzen wir die Reise fort. Unsere Arbeitshypothese: ein schlafender Wal, der unserer Bugspitze etwas zu nahe gekommen ist. Am nächsten Morgen wird die Bronzefock wieder gegen den Spi getauscht, und der Tag zeigt sich von seiner besten Seite: traumhafte Wachen, bestens gelaunte Crewmitglieder, gemeinsames Essen im Cockpit dank des Drei-Wachen-Systems und schließlich eine weitere Walfluke, die mit entsprechendem Jubel quittiert wird.

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