Posted by on 25. August 2026

Tag 9

Der Großkreis fordert uns, das Schiff kränkt, Wellen kommen über, die Kojen sind klamm. Wir hangeln uns durch den Salon wie Orang-Utans durch den Dschungel, was dem Muskelkater und Verspannungen vom Steuern nicht gerade zuträglich ist. Als Gegenmittel reibt Svea sich mit Veros Massage-Baseball wie Balu der Bär an der Klotür. Die Massage für Arme ist äußerst effektiv. Im Cockpit werden alternative Sitzmöglichkeiten erprobt.

Männlicher Kleinstübermut trifft weibliche Vorsicht, so zieht die Mittschiffs-Wache Segel hoch, die die anderen beiden Wachen wieder bergen. Die Nächte werden ausschließlich von den mintgrün leuchtenden Wellen und dem regelmäßigen Wetterleuchten über uns erhellt.

Tag 10

Ruhe im Schiff heißt Fidelität in der Crew, Waschtag für uns und unsere Wäsche, Lenzen und was sonst so ansteht.

Früh morgens wird mit Frauenpower und der Hilfe unseres Schiffers der Spi gesetzt und bald danach auch in größerer Runde die erste Spihalse durchgeführt. Wir sehen sogar ein Schiff mit bloßem Auge, was auf große Begeisterung in der Crew stößt. 

Tag 11

Wir fahren den Spi durch die Nacht durch und bereiten uns gedanklich schon mal auf unser erstes Tief Nora vor. Die Bordbäckerei produziert Brote für die nächsten Tage und Zimtschnecken für das Bergfest. Der Versuch, das Codefall durch neues Einziehen zu reparieren, kann leider nicht beendet werden.

Wir werden über Stunden von einer Schule von Pilotwalen begleitet und feiern nachmittags unser Bergfest. Wir sind einerseits froh, die Hälfte heil überstanden zu haben, sind vorfreudig darauf, nach Hause zu kommen, und andererseits nachdenklich, wehmütig und traurig. Wir singen, setzen Böötchen aus, teilen schöne Erinnerungen und vertilgen die Dank unseres Ofens krossen Zimtschnecken.

Tag 12

Dem Sauerteigstarter Gärhart geht es nicht so gut. Er schlottert wie wir und blubbert leider nicht mehr fröhlich vor sich hin, wodurch unsere Brote etwas an Gummi erinnern. Geschmacklich sind wir aber immer noch überzeugt, und auch das Schwarzwälderkirschbrot kommt vor allem mit Nutella gut an.

Der Wind wird langsam stärker, sodass wir mit etwa bis zu 30 Knoten im zweiten Reff mit der G4 entspannt segeln können.

Es werden taktische Vomex und Pflaster konsumiert. Nur ein Zäpfchen zu schieben, traut sich die Mittschiffs-Wache dann doch nicht, da im Cockpit schließlich der Ozean ständig zusieht. Mittags gibt es, wie es die Chronistin bezeichnen würde, das allseits bekannte Gericht „Reis mit Scheiß“, welches abends gleich mit einer Ergänzungs-Yumyum recycelt wird.

Tag 13

Es ist Montag, es darf, also nicht wie am Sonntag wieder gehasst werden. Wir werden von Böen von bis zu 49 Knoten und 4–5 Meter hohen Wellen beglückt. Joni darf mit Veros Betreuung im verstopften, bis oben hin gefüllten Ankerkasten auf Tauchgang gehen, während er fleißig von oben mit Wellen durchgespült wird. Der Geschwindigkeitsrekord wird von Rasmus in Höhe von 21,3 Knoten wird mit den Worten „Oh Gott, geht’s da runter!“ gebrochen. John Bouy wird von einer Welle mitgerissen und Walross erprobt sich zeitweise als U-Boot. Unter Deck slidet Rasmus von der einen Salonseite über Tisch und Kühlschrank auf die andere, Dinge fliegen durch die Gegend und mindestens drei Tassen gehen im Schrank zu Bruch. Da fragt sich manch einer, ob Plastikgeschirr eine bessere Wahl wäre? qtVlm unser Routingprogramm, empfiehlt uns währenddessen, den Spanker zu ziehen.

Die Nacht segeln wir nur mit der G4 und lassen uns weiter von hinten durchschaukeln. 

Tag 14

Im Auge des Tiefs kehrt wieder mehr Leben in uns. Wir ziehen den Spanker und verwandeln W4 in ein Wäscheschiff. Abends gibt es Pfannkuchen mit einer Mystery-Dosen-Füllung, und es wird über ein Schleckregal für geleckte statt gewaschene Teller am Tisch diskutiert.

Nachts bereiten wir uns seglerisch schon auf die Nordseite des Tiefs Nora vor, welches uns bald auf die Nase drücken wird.

Tag 15

Wir stampfen, was das Zeug hält. Hartgesottene füttern die Fische, und mit ca. 35 Knoten von vorne kämpfen wir uns durch den Tag. Nachmittags beruhigt sich die schaukelige Welle wieder etwas, und wir werden mal wieder mit richtigem Sonnenschein verwöhnt, der uns Hoffnung auf etwas trockenere Kleidung gibt. Eissturmvögel begleiten uns wie immer, zischen über die Wellen und begutachten das hoppelnde Walross.

Tag 16 und 17 

Wir erholen uns von Nora, es erfolgen erste Berechnungen zu unserem genauen ETA in Cuxhaven, wodurch die Vorfreude auf Deutschland noch weiter steigt und sind bereits ganz aufgeregt zwischen den Orkney- und Shetlandinseln hindurchzufahren und etwas Land zu sehen. Wir sehen die ersten Landvögel, einen 

Basstölpel und der Wegpunkt „Land in Sicht“ mit dem Cocktailglasemoji wird früh morgens mit dem Saft des Dosen-Früchte-Cocktails, kombiniert mit Gin gefeiert. 

Die Codefall-Reparaturen werden fortgesetzt und mancher ersetzt das Frühstück mit Süßigkeiten. Zudem wird auf der verzweifelten Suche nach Schokolade für ein weiteres Schokokirschbrot eine weitere Reisetasche aus dem Generatorraum, voll mit Süßigkeiten, hinausgeschmökert und auf die Snackschapps verteilt. Noch heute Abend werden wir unseren Kurs gen SÜD!!-Osten richten!

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