
2026 war wieder ein Eintonner-Treffen angesetzt, diesmal sollte es zur Kieler Woche sein. Leider konnten diesmal nur wenige dieser klassischen IOR-Yachten kommen, aber wieder war Golden Apple of the Sun dabei, Marie, Saturn und andere. Da nicht alle einen ORC-Meßbrief hatten, vereinbarten wir, dass wir den 2024 gewonnenen und von mir neu gestifteten Pokal an den Tonner vergeben, der die schnellste addierte gesegelte Zeit der Aalregatten-Wettfahrten Kiel-Eckernförde und zurück aufweist. Gratulation an die Shamrock, einem wunderschönen fromverleimten und naturlackierten ¾-Tonner aus Hamburg.
Krabauter erreichte mit der altbewährten Crew Stefan Hölzner, Norman Gruchow und Lukas Lindemann-Sperfeld sowie Anna, Magnus und Christian Masilge am ersten Wochenende im ORC-Feld der Aalregatta nach tollem Spi-Start und langer Kreuz einen sehr schönen 7. Platz (von 34) und bei der Rückregatta einen 4. Platz. Nicht schlecht für einen 47 Jahre alten Tonner inmitten neuer X-Yachts, J-boats, Cape 31 und so weiter.
Am 2. Wochenende stand die Regatta um das Silberne Band an. Diese traditionsreiche Regatta führt von Kiel aus um Langeland herum durch den Svendborg Sund und zurück nach Kiel. Nach dem Start in der Strander Bucht hielten wir auf die Südspitze Langelands zu. Es galt den Kurs entgegen dem Uhrzeigersinn abzusegeln. Nach einem malerischen Sonnenuntergang konnten wir unter Spi viele Konkurrenten hinter uns lassen. Entscheidend waren hier die genauen Stromkenntnisse von Magnus, das brachte uns bis zu 2 kn Extra-Fahrt nach Norden. Beim Umrunden der Nordspitze wurde es flau und kurz vor der Wegmarke Thurö S war der Wind nahezu eingeschlafen. Wir brauchten gefühlt Stunden, um die Tonne zu runden. Mit leichter Brise ging es dann unter Spi in den Svendborgsund. An den engsten Stellen war der Wind dann wieder weg, aber der Strom spülte uns mit etwa 1,5 kn in einem Abstand von 1 m rechtwinkelig zur Kurslinie driftend am dortigen Schwimmdock vorbei. Zum Passieren der Brücke kam glücklicherweise wieder etwas Wind auf, so dass wir zumindest manövrierfähig waren und die Kreuzschläge so legen konnten, dass wir mittig durch die Brücke flutschten.
Klar war schon längst, dass wir das Ziel in Kiel nicht mehr im Zeitlimit erreichen können. Trotzdem wurde durchgehalten. Belohnt wurden wir mit der Nachricht, dass es eine Bahnverkürzung an der roten Fahrwassertonne (WP124) zwischen Korshavn und Drejö gab. Vorher stellte sich jedoch noch ein Gewitter in den Weg, von Bft. 1 ging es schlagartig auf Bft. 10 hoch. Vorbereitend hatten wir bereits auf die G3 gewechselt und die Folien-G1 geborgen und verzurrt. Der Wind blies jedoch so stark, dass wir auch das Großsegel wegnahmen und nur mit der G3 weiter gegenan gingen. Der Spuk dauerte vielleicht 30 Minuten, dann flaute es wieder ab. Mehrere Mitwettbewerber verloren ihre Segel, die leicht vor uns liegende Universitas vom ASVzR passierten wir bereits wieder unter G3 und vollem Groß, wobei die Rostocker noch unter den orangen Sturmsegeln segelten. Für 10 Minuten kam die G1 nochmal zu Ehren und für den Zieleinlauf an der Tonne der Spi. Uli Münker als Mitglied des Race-Committee rief uns noch Glückwünsche hinterher und wir machten uns auf die 5 Stunden Heimfahrt nach Kiel unter Motor.
Kurz vor dem Ziel stellte sich uns die nächste Gewitterfront in den Weg. Diese entwickelte sich über Eckernförde und zog die Eckernförder Bucht entlang auf die freie Ostsee hinaus. Blitze im Sekundentakt und echte 58 kn Wind bringen auch eine erfahrene Regattacrew dazu, selbst bei Fahrt unter Motor im Cockpit mit Rettungsweste und komplett in Ölzeugmontur zu sitzen. Innerhalb von Sekunden baute sich ordentlicher Seegang auf, wobei das Wasser von den Kämmen weggerissen wurde. Erst hinter der Steilküste vor Schwedeneck kamen wir langsam in die Abdeckung und das Gefühl mit den Elementen zu kämpfen ebbte etwas ab. In Schilksee selbst, beim Anlegen, war alles ruhig.
Unser Kampf wurde mit dem Sieg in der Klasse ORC C/D und dem Gewinn des Silbernen Bandes für die schnellste Yacht mit voller Crew nach Berechnung belohnt. Diese traditionsreiche Trophäe, 1967 gestiftet, gewannen in der Vergangenheit so bekannte Yachten wie Rubin, Jan Pott V oder im letzten Jahr die Störtebecker.
Christian Masilge im Juni 2026
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