
Am Samstag nimmt für das ein oder andere Crewmitglied ein regelmäßiges Prozedere seinen Lauf. Sehr lieb gewonnene Crewmitglieder gehen und neue Crewmitglieder kommen. Eine Konstante von vier Personen ist nun aber bis Hamburg an Bord: Joni und Svea, frisch angereist, Jonas mit einer Routine von zwei Wochen und Vero, seit sechs Wochen zum Schiffsinventar gehörend.
Bis am Abend die ganze Crew angereist und die Schiffsführung mit der Übergabe beschäftigt ist, nutzt die restliche Crew die Zeit, um das Slave Mart Museum zu besuchen, einen früheren Hauptumschlagpunkt des Sklavenhandels. Bevor wir am nächsten Tag unser Pflichtprogramm durchführen müssen, stärken wir uns am Abend mit den bereits erprobten Smash-Burgern. Am Sonntag wird großzügig für die erste Woche gebunkert und eine sehr umfangreiche Sicherheitseinweisung absolviert. Der Frontalunterricht durch die Schiffsführung wird, dank Sveas mitgebrachter Übungsblätter, durch die Erarbeitung und gegenseitige Vorstellung einzelner Sicherheitskapitel in Eigenleistung der Crew ergänzt.
Nach Absolvieren des Pflichtprogramms am Sonntag dürfen wir dann am Montag das erste Mal das Fahrwasser durchlaufen. Dank 1,5 Knoten Strom im Rücken sind wir "nur" zwei Stunden unterwegs, bis wir offenes Wasser erreichen. Draußen angekommen, kringeln wir umher, sodass sich alle aneinander gewöhnen und auf dem Schiff eingrooven können. Wir haben vier Crewmitglieder, die zum ersten Mal auf dem Walross sind. Zwei von ihnen sogar das erste Mal auf See. Mit schwingenden Hüften und gemeinsam singend, tingeln wir abends dann mit auflaufendem Wasser vom Strom geschoben das Fahrwasser zurück Richtung Marina Charleston. Auch dort macht die ausgelassene Stimmung keinen Halt und manch einem Amerikaner wird ein deutscher Volkssport, bestehend aus einen Ball/Töpper und einem Hopfen-Hefe-Gemisch, näher gebracht. Der Dienstag wird entsprechend etwas gemütlicher angegangen. Neuankömmlinge erkunden erstmals die Stadt, andere lassen sich in einem Café mit einem fancy Getränk nieder und über den Nachmittag erhalten immer mehr ASVer hübsche Henna-Kunstwerke auf ihren Körper. Auch an diesem Abend tauschen wir uns emsig mit einem weiteren Local aus und schüren Begeisterung für unsere Seereisen-Saison.
Mittwoch heißt es dann: Leinen los und auf Richtung Wrightsville Beach. Wir werden mit so viel Wind, wie in den letzten Wochen nie gehabt bestückt und können uns so ganz ohne Motor sogar mit mehr Manövern, als dem Drücken des Startknopfes der "Rattelkiste", beschäftigen. Als die Einfahrt zu unserer geplanten Ankerbucht schon ganz nah ist und wir die Ansteuerungstonne bereits passiert haben, werden wir von sehr dunklen, entgegenkommenden Wolken empfangen. Statt der angekündigten fünf bis zehn Knoten Wind, überrollt uns eine Gewitterwalze. Innerhalb von wenigen Minuten nimmt der Wind von 10 Knoten auf 56 Knoten zu und der Regen peitscht Horizontal durch den Niedergang bis in die Tiefen des Salons. Die Segel hatten wir zu diesem Zeitpunkt zum Glück bereits geborgen. Als die Sicht auf unter 100m sinkt und wir trotz Marschdrehzahl der Maschine nur noch unter einen Knoten Fahrt durchs Wasser machen, drehen wir ab und laufen vor Top und Takel vor dem Sturm ab. Während zwei Drittel der Schiffsführung oben im Regen ausharren, warten ihre Schäfchen emsig und in voller Montur im Niedergang. Als wir erneut die aktuellen Wetterberichte prüfen, um zu entscheiden in welche Richtung wir am besten ablaufen, erreicht uns eine 15 Minuten zuvor veröffentlichte "Special Marine Warning" des National Weather Service, die uns empfiehlt umgehend einen sicheren Hafen anzulaufen, da unsere Region von einer Gewitterwalze getroffen werden könnte. Gut, dass der lokale Wetterwarndienst auf das Unwetter aufmerksam macht, als die Front bereits über unseren Köpfen schwebt! Nach einer Dreiviertelstunde ist das Spektakel vorbei und wir stehen durchnässt und verdutzt wieder unter strahlend blauem Himmel. Bei 5 Knoten Wind und <0,5m Wellengang laufen wir mit strahlendem Sonnenschein nach Wrightsville Beach ein. Umsäumt von hübschen Häusern auf der einen Seite und einer Art strandigen Sumpflandschaft auf der anderen Seite, vermuren wir uns an zwei Ankern und genießen den Sonnenuntergang mit einem Sundowner. Abends wird zwischen Ankerwachen die erste "Hick-Hack"-Runde eingeläutet. Wie auf jeder Seereise können die letzten zwei Prozent von David auch Neuankömmlinge begeistern und sehr schnell in pickende Hühnchen verwandeln.
Am nächsten Tag, nachdem Anni ihren ersten Ofenschock mit "Gärharts" Backpapier überlebt hat, fährt eine weibliche Crew mit "BABY-W4" (dem Schlauchboot) aufs Festland und besucht den Strand. Der Rest der Crew verbringt den Tag gemütlich an Bord und beschäftigt sich eingehend mit dem Hydrogenerator, der nun wieder fröhlich am Heck Energie zwirbeln kann. Teile der Crew schwimmen zu dem kleinen Strand hinüber und erkunden die umliegende Natur. Die nächste Etappe führt uns, nach einem ausgiebigen Pancake-Frühstück, am Samstag von Wrightsville Beach nach Beaufort. Wir starten am frühen Morgen und bewegen uns mangels Wind unter "Bronze-Fock" nach Nordosten. Am späten Nachmittag fahren wir mit auflaufendem Wasser durch den Beaufort Inlet und lassen uns vom Strom in Richtung der Beaufort Town Docks schieben.
Am frühen Abend kommen wir im Zentrum des süßen Städtchen an einer Holzpier an. Beim Anlegen dient eine 164-Fuß-Segelyacht als Referenzmarke, um unsere Box zu finden. Auf der naturbelassenen Seite der Stadt können wir Wildpferde beobachten. Nach einem kleinen Erkundungsspaziergang werden abends Pizzen aus einem nahegelegenen Restaurant geholt und an Bord verspeist. "Seven large Pizzas" reichen aus, um unsere Crew von neun Personen auch am nächsten Morgen noch zu sättigen. Nach dem Essen laden wir ein Crewmitglied der benachbarten 164'-Yacht zu uns an Bord auf ein Kaltgetränk ein. Wie alle Menschen, die wir bisher an der Ostküste angetroffen haben, ist er begeistert von unserem Projekt Atlantic Connections und der Art und Weise, wie wir als Verein segeln. Im Gegenzug für die Kaltgetränke, verspricht uns am nächsten Morgen eine Führung der Superyacht zu geben.
Am Sonntagvormittag bereiten wir uns und das Walross auf die nächste Etappe bis Norfolk vor. Am Montag öffnet sich für ungefähr 12 Stunden ein Wetterfenster, um bei ruhiger See Cape Hatteras runden zu können. Am Tag zuvor und auch an den nachfolgenden Tagen weht um das Kap ein starker Nordwind, der den aus Süden kommenden Golfstrom zu einer rauen See aufpeitscht. Um das Wetterfenster bestmöglich nutzen zu können, wollen wir am Sonntag um 12:00 Uhr ablegen, am Montag um 14:00 Cape Hatteras runden und am Dienstag um 10:00 Norfolk anlaufen. Als wir mit unseren Vorbereitungen ca. eine Stunde vor dem geplanten Ablegen fertig sind und an Deck stehen, winkt uns unser Gast vom Vorabend vom zwei Meter höher liegenden Deck der Superyacht zu sich herüber. Die Einladung lassen wir uns nicht zweimal geben und erklimmen die Gangway, um uns eine Führung der Yacht geben zu lassen. Wir begutachten riesige Winschen, hydraulische Segelrollanlagen, erklimmen die untersten Sprossen des 60 Meter hohen Masts und stehen zwischen oberem Steuerstand und Whirlpool auf dem Oberdeck.
Nach einer halben Stunde bedanken wir uns bei unserem Gastgeber, verabschieden uns und machen uns Ablegeklar. Die erfolgreiche Rundung des Cape Hatteras beschreiben wir dann hoffentlich im nächsten Bericht.
Liebe Grüße von W4!
Wir verwenden Cookies, um die Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen: Datenschutzerklärung/Cookie-Richtlinie
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.