Posted by on 3. Juni 2026

Wöchentlich grüßt das Murmeltier: Nachdem die alte Crew, in Schweiß badend, im noblen Downtown Miami das Walross schrubbt und sich zwischendurch im 16. Stock des Hotels abkühlt, um die fehlenden Duschen der 600-Dollar-Marina zu kompensieren, kommen langsam neue Crewmitglieder an. Die neue Crew besteht teils aus bekannten Gesichtern wie Lena, Christine, Ben und Vero. Dazu kommen Jonas, Silke, Andreas und Martin. Nach kurzem Einkauf in einer vertrauten deutschen Supermarktkette und der Sicherheitseinweisung legen wir am Sonntag pünktlich um 12:00 Uhr ab. Es folgt eine ruhige Segelei, angeschoben vom Golfstrom, mit teils etwas mehr als 10 Knoten Fahrt über Grund und kurzem Delfinbesuch.

In Fort Lauderdale müssen wir dann nur noch auf die Brückenöffnung warten und wollen abseits von sich im Fahrwasser tummelnden Motorbooten warten, werden allerdings schnell von der Coast Guard hinsichtlich des auslaufenden Kreuzfahrtschiffs angewiesen: „Choose one direction wherever you go, go now!". Nach einem netten Funkgespräch und dank der Fürsorglichkeit der Brückenwärter können wir dann in die Marina einlaufen, wo wir mit einer guten Flasche Wein und Karten zu Hotelpool, Spa und Gym begrüßt werden. Zwei Stunden später laufen frisch gebadete, fidele und mit einem wesentlich größeren Sack Eis als erhofft bepackte ASVer zurück zu unserem Lieblingstier. Bevor wir am nächsten Tag weiter Richtung Palm Beach düsen, darf natürlich eine Erkundungstour durchs Hotel und eine weitere Abkühlung im Pool nicht fehlen.

Die kulinarischen Erlebnisse machen auch vor der Zeit auf See nicht halt. Gespeist wird Milchreis - welch wundervoller Mittagssnack. Endlich wird von unseren bekannten Crewmitgliedern ein bereits auf den Bahamas sehnlich vermisstes Tier entdeckt: Eine Meeresschildkröte eiert vergnügt am Schiff vorbei. Gleichzeitig wird die Kneipe "Zum Walross" unter Deck mit etwas dünnerer Besetzung wiedereröffnet. Ein Glück, dass einer der bereits sehnlichst vermissten Stammkneipengäste bereits in Palm Beach auf uns wartet. Somit sind wir für einen Abend wieder eine Crew von neun Personen und werden von Martin und Christine mit einem Drei-Gänge-Menü bekocht. Unter dem Schein der Lichterketten lassen wir den Abend mit süßesten Törtchen ausklingen.

Bevor am nächsten Tag alle in das Städtchen ausschwärmen, bilden sich am Fußboden anlässlich von Arbeiten am Schiff Schweißflüsse, während über Deck die höchsten Riggteile erkundet werden. Am Nachmittag spazieren Grüppchen durch die Heimatstadt von Donald Trump. Die höchste Priorität unserer Erkundungstour hat die Manatee Lagoon, in der sich im Winter ganze Scharen von Seekühen im erwärmten Wasser des anliegenden Wasserkraftwerks tummeln. Leider bekommen wir nur Tarpons zu sehen und erkunden daraufhin das kleine Museum, weshalb wir nun bestens über die süßen Tierchen informiert sind. Am Abend gibt es Smashed Burger und, da das "Lustschapp" an diesem Tag auch wieder gut bestückt wurde, folgt ein feuchtfröhlicher und äußerst kompetitiver Abend, auf dem die "Hick-Hack-im-Gackelwack-Beauftragte" weitere Spielrunden einläutet. Die Hühnchen streiten sich fleißig bis in die Nacht und werden regelmäßig von einem Blutbad durch die Füchse überrascht.

Die etwas müde Fahrt am nächsten Tag ist durch ein dauerhaft tönendes Knattern unter Deck nicht gerade erquicklich. Am Abend wird unser Geist jedoch durch eine ausgiebige Regendusche geweckt. Da die Steuerfrau in Auftrag gibt „Strengt euch etwas an, gutes Wetter zu übergeben", nimmt die Backbordwache den äußerst regnerischen Ausläufer eines Gewitters auf sich. Die Spannung, ob wir denn doch die um 18:00 Uhr startende Rakete über den Wolken sehen könnten, gibt uns einen zusätzlichen Energieschub. Leider werden wir an diesem Tag enttäuscht. Nach dieser Nacht freut sich unsere Crew am nächsten Morgen, begleitet von Eierkuchen mit Schinken und Käse sowie Zimt und Butter, in Cape Canaveral anzukommen. Wir stellen fest: endlich eine richtige Marina, sogar mit Segelbooten und BBQ-Bereich. Ein Teil der Crew freut sich schon seit mehr als 24 Stunden darauf, das Kennedy Space Center zu besuchen, ein anderer Teil möchte den Tag etwas gemächlicher angehen und besucht ein kleineres Museum und den Cocoa Beach. Vergebens bleibt nur die Suche nach einer Eisdiele mit echtem Softeis, wird aber schnell durch ein nasenspülendes Wellenerlebnis wettgemacht.

Die "Space-Crew" startet unterdessen im Allrad-Shuttle Richtung Kennedy Space Center bei Cape Canaveral. Nach der Landung auf dem Parkplatz folgt ein ausführlicher Außeneinsatz an dem geschichtsträchtigsten Ort der US-Raumfahrt. Besondere Highlights sind die originale Saturn-V-Rakete der gecancelten Apollo-19-Mission und das Space Shuttle Atlantis, das über 30-mal im All war. Auch wenn er es schriftlich nie zugeben würde: Unserem Luft- und Raumfahrtstudenten, der wie ein Honigkuchenpferd über beide Ohren strahlt, entwischt beim Anblick der Triebwerke der Mondrakete wohl das eine oder andere Freudentränchen. Zum Abschluss gibt es noch einen Blick in die Zukunft: Auf der fernen Startrampe steht bereits die Falcon 9 für die anstehende CRS-34-Versorgungsmission zur ISS bereit.

Abends packen wir wieder unsere atmosphärische Lichterkette aus - diesmal über dem Picknicktisch in der Marina - und veranstalten ein großes BBQ. Wir schlemmen, bis nichts mehr übrig ist, und können sogar Pelikane und Delfine beim Fressen von Fischresten der lokalen Angler in der Marina beobachten.

Am Freitag folgt dann das Highlight unserer Reise. Wir können um 18:05 Uhr ca. 25 sm entfernt den Start der eigentlich am Freitag geplanten Rakete live beobachten. Da werden selbst die bereitstehenden Hot Dogs links liegen gelassen und die Augen in den Himmel gerichtet. Die aufsteigende Rakete, sichtbar als orangefarbener Punkt, zieht eine dicke Schwade durch den Himmel, gefolgt von den verzögerten, grollenden Tönen des Starts. Nachdem sie die Ersatzteile im All abgeladen hat, sehen wir sie kurz darauf auch schon zurückfliegen und wie eine Kerze wieder an Land landen, wieder gefolgt von einem Knall durch den Eintritt in die Atmosphäre. Die Nacht wird endlich mal mit Segeln verbracht und am Morgen mit großer Enttäuschung wieder von Motorentönen abgelöst.

Unsere Zeit in St. Augustine, der ältesten Stadt der Vereinigten Staaten von Amerika, verbringen wir mit einem hübschen Geburtstagsessen und der Besichtigung der kleinen Altstadt mit ihren vielen zuckrigen Läden.

Savannah entzückt unsere Crew besonders. Kurz nach unserer Ankunft in der nigelnagelneuen Marina dürfen wir das bereits vor Stunden angekündigte Frachtschiff MOUNT EVEREST, begleitet von drei Schleppern, vorbeiziehen sehen. Nach kurzer Verschnaufpause tingeln wir mithilfe des Golfcart-Shuttles der Marina zur kostenlosen Fähre und erkunden die Stadt. Die mit Fahnen überladenen Papphäuser und mit Flechten überzogenen Bäume wirken mystisch wie in einer Netflix-Serie und eine Besichtigung des Drehortes des Filmes "Forest Gump" vervollständigt die Filmkulisse. Am Abend folgt ein weiteres Highlight: Ein Low Country Boil. Das Schlachtfeld aus Garnelen, Flusskrebsen, Wurst, Mais und Kartoffeln ist zum Glück mit einem Handgriff - nämlich dem Zusammenknüllen der aus Müllsäcken bestehenden Tischbedeckung - beseitigt. Schweren Herzens müssen wir uns dann frühzeitig von Ben, der als Vorsitzender zum Stiftungsfest nach Berlin reist, verabschieden.

Die letzte Etappe, die wir wie meist über Nacht überwinden, führt uns zu unserem Zielhafen im hübschen Städtchen Charleston, der mit seinem breiten, leeren Steg direkt für die Übung von Anlegern genutzt wird. Besonders positiv sticht das wöchentliche Freibier der Marina hervor, das wir gerne nach einem Stadtbummel in Anspruch nehmen und das das Ende der Reise sowie die etwas wehmütige Abreise vieler Crewmitglieder einleitet.

 

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