Posted by on 18. Mai 2026

Nach dem Captain’s Dinner mit den ersten Bahama Mamas und einer neuen Freundschaft kann die Crew, voller Vorfreude auf Zivilisation, nicht mehr gestoppt werden. Es geht gleich am nächsten Tag zum Straw Market, um die unglaubliche Vielfältigkeit der Souvenirs zu bewundern. Wir finden Biermarken-Shirts, allerlei anzügliche Kühlschrankmagneten, zwei Meter große, holzgeschnitzte Drachen für 300 Bahama-Dollar – ein klassischer Impulskauf – und nach halbstündiger Suche auch drei vergilbte Postkarten mit dem gleichen Motiv, die die Verkäuferinnen nicht glücklicher sein könnten loszuwerden. Die mangelnde Verhandlungsbereitschaft der Verkäufer findet nur hier eine kurze Auszeit. Auf Empfehlung verschiedener Produkttester für die besten Segelschuhe führt der Weg unserer Gruppe auch zum Crocs-Store – welch seltener Fund. Die neuen Treter werden direkt mit einem kleinen Walross-Stecker ausgestattet.

Ohne Erwachsene zurück an Bord

Nachdem der Schiffer mit einem Getränk verabschiedet wird, macht sich die junge Crew zurück zum Schiff. Aber nicht ohne vorher am Eingang der Marina einen Truck voll Fanta Körperverletzung entdeckt zu haben. Zu Schade, dass dessen größter Fan nun abgereist war. Ansonsten hätte er damit wohl die gesamte Walross-Bilge vollgehauen. Wraps essend stellen wir schließlich fest: Ganz komisch, so ganz ohne Erwachsene. Am nächsten Tag wird Paradise Island erkundet. Unsere Reisegruppe verlässt die eher zwielichtige Seite der Stadt und besucht den Cabbage Beach. Dort wird sich eingebuddelt, Ball gespielt, einsamere Strandabschnitte entdeckt und anschließend Bekanntschaft mit Adus Freund gemacht, der uns für einen „Freundschaftspreis“ (wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde) in den Atlantis-Wasserpark einlädt. Trifft sich gut, denn unser liebes Crewmitglied bzw. Mitglied der Segeltruppe, Julie, hat Geburtstag, träumt bereits Wochen vorher vom Wasserpark und hat die restliche Truppe während der Seereise bereits auf diesen angefixt. Die breite Abneigung der Crew ob des hohen Eintrittspreises kann Julies Begeisterung nicht dauerhaft standhalten.

Atlantis entdecken

Also spazieren wir am nächsten Morgen nach herrlichen Eierkuchen von David um 10:30 Uhr Richtung Wasserpark und sind ganz überwältigt, tatsächlich die Mauern des Atlantis Hotels von innen zu sehen. Der weltgrößte Wasserpark ist natürlich ein Erlebnis. Es wird fleißig im Lazy River gefaulenzt, gedümpelt und gespint. Auf dem rauschenden Fluss werden selbst die noch so seefesten Crewmitglieder seekrank. Der freie Fall wird mittels Rutsche mit dem Namen Abyss erprobt. Die Sichtverhältnisse in dieser Rutsche gleichen einer Prüfung einer unbeleuchteten Motorbilge und der Zustand in der Nase ist, als würde man mit sieben Knoten mit den Füßen fest an Walross am Heck ins Wasser hängen. Die Rutsche durchs Haifischbecken wird ebenfalls ausprobiert, während der Po wie Parmesan geraspelt wird. Das Wasserparkerlebnis wird durch verschiedene geeiste Getränke aus dem 32-Unzen-nachfüllbaren Souvenirbecher mit der Aufschrift „Atlantis Loves the Ocean“ abgerundet. So richtig amerikanisch. Für einen vollumfänglichen Besuch dürfen natürlich Burger, die Happy Hour und ein paar Dollar im Casino zu verspielen nicht fehlen. Letzteres ist eine einzige Reizüberflutung, die Gruppe birst auseinander wie Glühwürmchen an einer Lichterkette zu den verschiedenen Spielautomaten. Als David innerhalb eines Hebelzugs des einarmigen Banditen die fünf US-Dollar verspielt, die er sich fünf Sekunden davor von Vero geliehen hat, gleicht ihr Blick dem unseres Schiffers, als man ihm nach dem Walmart-Großeinkauf offenbarte, kein Fleisch gekauft zu haben. Der Tag endet mit einem langen Abend im Cockpit, Geburtstagstassenkuchen und einem 2,5 Meter langen Ammenhai im Hafenbecken, viel schöner als die Haie im Atlantis.

Eat at Your Own Risk

Am nächsten Morgen wird auch schon ein nächster großer Teil der Reisegruppe auf die wesentlich länger als gedacht andauernde Heimreise, die einem U-Turn des Flugzeuges geschuldet ist und zu weiteren Eindrücken in NYC zwingt, verabschiedet. Zurück bleiben David, Julie und Vero. Die Entspannungsphase der Seereise beginnt. Erste Feststellung: Nur drei Nasen zu koordinieren ist dann doch etwas leichter und mit weniger Diskussionsaufwand zu managen. Neben Strandausflügen und einer weiteren Haisichtung sowie der eines Adlerrochens werden Aufgaben an WALROSS erledigt, Eierkuchen gefrühstückt, ein Gärhart zum x-ten Mal angesetzt und die zehnte, aber äußerst leckere Bohnenvariante gekocht – „veganes Sancocho“. Der Plan eines zweiten Atlantis-Besuchs über den Strandzugang kann am Ende aber doch nicht realisiert werden. Die Abende werden mit schönen Erinnerungen, Brabbeleien und Diskussionen darüber, welche Gadgets unbedingt für W4 anzuschaffen sind – eine Hängematte, Klappräder, ein Tisch fürs Cockpit – verbracht. Man könnte diese ja irgendwie an der Außenhaut fixieren. Ab damit auf den nächsten Schifferrat.

Nachdem Julie die geschrumpfte Crew dann auch verlässt, widmen sich unsere letzten beiden Mitglieder der „Group of Friends“ einem erneuten Putz des Bootes und sämtlichen anderen To-do‘s, bevor die ersten ASVer der nächsten Seereise eintrudeln. Unter anderem werden erste, essenzielle Vorbereitungen eines Motivs für die Atlantiküberquerung getroffen – als Spoiler dient der Film Zootopia – sowie ein Ausflug mit dem schlappen Willy a.k.a. Baby Walross 4 und Stirnlampen zu einem Conch-Floß im Hafen unternommen, um die großen Schneckenhäuser mal etwas genauer inspizieren zu können. Ein halbes Duzend wird sicherlich keiner vermissen. Bevor am nächsten Tag Norman und Marta ankommen, wird noch ein Barracuda-Dinner gespeist, mit dem Hinweis auf der Speisekarte: „Eat at your own risk“. Wir machen uns darüber erst einmal keine Gedanken und essen genüsslich den Fisch mit Bohnen und Reis. Glücklicherweise ist der als mit hohem Risiko für Fischvergiftungen markierte Barrakuda harmlos und unsere Bäuche machen keinen Rabatz. Jedoch werden ausgerechnet jene 50 Prozent von uns 24 Stunden später dann doch niedergestreckt, die zuvor von sich behaupteten, einen stählernen Magen zu haben. Keine weiteren 72 Stunden war besagte Person aber auch schon fast wieder fit für die nächste Seereise.

Seekuh statt Weißer Hai

Am nächsten Tag zu viert, eine perfekte Auto-Personenzahl, machen wir eine kleine Inseltour. Unser rechtslenkender Mietwagen ist zum Glück besser in Schuss als manch andere Autos auf der Insel, welche mit Frischhaltefolie als Heckscheibe und zahlreichen, fehlenden, sicherheitskritischen Teilen unterwegs sind, und meistert alle Schlaglöcher und Rumble Strips als wäre er nicht mit bereits 500.000 Kilometern auf dem Buckel aus Japan importiert worden. Wir besuchen den Jaws Beach, wo wir zwar keinen weißen Hai finden, aber dafür eine kugelige, verspielte und zutrauliche Seekuh. So kann der bislang unausgesprochene Wunsch manch eines Bundesgeschwisterchens, einmal im Leben mit Manatis zu tauchen und von diesen angestupst und sanft gerempelt zu werden, erfüllt werden. Die ebenfalls zahlreich anwesenden Amis meinten, diese retten zu müssen, indem sie das Tier in tieferes Wasser schubsen. Die 500 Kilo pure Masse war davon wesentlich unbeeindruckt – gemeint ist der Meeressäuger.

Die nächste Station ist direkt nebenan. Wir suchen zwar nach dem Reef Sculpture Garden – künstlich als Schnorchelattraktion erbaute Statuen, um die Korallenriffe nebenan zu schonen – stoßen dann aber auf dem Weg auf Papageienfische, einen Barrakuda, nach dem gestrigen Mahl besonders eindrucksvoll, und viele weitere Fischchen und Korallen. Eine selbst gepflückte Kokosnuss als Strandgetränk darf natürlich auch nicht fehlen. Gespeist wird anschließend bei einer gewissen Dame namens Wendy, wodurch wir gut gestärkt sind, um unser nächstes Crewmitglied Lena vom Flughafen abzuholen, womit an dieser Stelle die Reise R08 endgültig ihr Ende findet.

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