
Akklimatisierung auf den Antillen
Nach viertägigem Robinson-Crusoe-Dasein mit seinem Papageien namens "Suzuki Dzire" als einzigem Begleiter, darf der Chronist der Seereise 2026-R05 (St. Martin–Guadeloupe) am Abend des Tages "minus zwei" die ersten drei Mitsegler vom Flughafen SXM abholen. Er schafft es direkt, die Neuankömmlinge zu beeindrucken, indem er seine Kenntnis über alle zwei Straßen der Insel zur Schau stellt – jene im und jene gegen den Uhrzeigersinn.
Mit dem schweren Gepäck in der FeWo abgeworfen und vier leeren Mägen, ist das erste Ziel schnell ausgemacht. Unsere Protagonisten nehmen sich für die sieben Kilometer lange Strecke nach Grand Case ein Taxi. Bei einem wettbewerbsorientierten Pauschalpreis von 40 Euro für zehn Minuten Fahrt merken sie schnell, dass sie im Vorfeld nachdrücklicher Auskunft über den Preis hätten verlangen sollen. Am Ziel namens Grand Case angekommen, finden sie nur noch ein Lokal, in dem zu dieser Uhrzeit gespeist werden kann – "Cynthia‘s Talk of the Town". Dass es sich bei diesem Talk allerdings einzig um das professionelle "Upselling" der dortigen Belegschaft handeln kann, wird schnell auch den zwei nicht der französischen Sprache mächtigen Anwesenden klar. Keine Stunde nachdem sie sich gesetzt haben, kann unverhofft doch noch eine Platte Hühnchen und Rippchen mit Beilagen serviert werden, die zuvor noch gänzlich ausverkauft zu sein schien. Jedoch erst, nachdem unsere designierte Proviantistin in akzentfreiem Französisch den geordneten Rückzug angedroht hat. Wie treffend!
Mit Speis und Trank versorgt, geht es nun runter zum Strand. Ob aus Ärger über den unerwartet teuren ersten Abend oder aber, um die verpeisten Kalorien wieder abzubauen, erwächst schließlich die beispiellose Idee, dass der Rückweg doch zu Fuß angetreten werden könne. Der Chronist, welcher mitternachts, wenige Minuten zuvor, ein Lebensjahr weiser geworden ist, verspricht seinen Kompagnons den Rückweg als einen gemütlichen Strandspaziergang. Ob es an der durch Altersweisheit neugewonnenen Überzeugungskraft liegt, dass sich keine Widerworte finden, oder doch an der Tatsache, dass einem Geburtstagskind kein Wunsch ausgeschlagen wird, darüber darf der geneigte Leser frei mutmaßen. Es stellt sich allerdings frühzeitig heraus, dass der versprochene Strandspaziergang etwa doppelt so lang wäre wie der Rückweg über die Hauptstraße. Daher entscheidet man sich – dem sehr liberalen Fahrstil auf der Insel zum Trotz – die Heimreise doch über ebenjene Hauptstraße anzutreten und dort eine Runde Frogger zu spielen. Dieser am Ende knapp zweistündige nächtliche Gewaltmarsch zahlt sich insofern aus, als dass der durchschnittliche Kilometerpreis aus Hin- und Rückweg erheblich reduziert werden kann. Bei den drei Neuankömmlingen, die inzwischen seit über 24 Stunden wach sind, hält sich die Dankbarkeit hierfür in Grenzen. Und das, obwohl sie noch vor Sonnenaufgang gemütlich unter ihren leeren Bettbezügen liegen.
Am Morgen des Tages "minus eins" strickt unsere Proviantistin munter an einem Pullunder - wohl weil sie zuvor leidlich erfahren hat, dass die Temperaturen nachts mitunter rapide auf bis zu 25 Grad fallen. Hierfür lernt sie derzeit, "ein Bündchen locker abzuketten", wie aus ihrer Strickanleitung herausgelesen werden kann.
Anschließend gilt es noch den legendären Maho Beach zu besuchen, an dem man sich mittels der dort in unmittelbarer Nähe startenden Flugzeuge ein Gratis-Sandpeeling inklusive Kerosindampfinhalation abholen kann. Ein Spa-Tag, wie ihn sich nur unser Wachführer wünschen kann. Hätte dieser ein Festivalzelt im Aufgabegepäck dabeigehabt, dann könnten wir ihn wohl in drei Wochen an Ort und Stelle wieder abholen.
Gegen Mittag zurück in der Bleibe geht ein zweiköpfiger Spähtrupp auf Nahrungssuche und wird nach geraumer Zeit in einem haitianischen Restaurant am Ortsrand fündig. Die Musiklautstärke in dem Etablissement wird nur von der dortigen Nahrungsmittelhygiene übertroffen: Die Fische dürfen in der Sonne vorgaren. Aus Mangel an Alternativen an diesem Sonntag wird der Laden notgedrungen dennoch mit einem Besuch beehrt. Sicherheitshalber werden jedoch Hühnchen und Reis mit Bohnen bestellt. Wer hat sich schon je von Hühnchen eine Lebensmittelvergiftung eingeholt? Diese Entscheidung rächt sich glücklicherweise nicht.
Am folgenden Tag findet schließlich die Walross-Übergabe statt und der eingangs erwähnte Miet-Papagei darf eine Ehrenrunde zum örtlichen Supermarkt drehen und dort etwa 300 Liter Süßwasser buckeln, ehe er frei jeglicher frischer Aufsetzspuren an der Frontschürze den rechtmäßigen Eigentümern übergeben wird. Mit dem Crewwechsel bricht der Altersschnitt an Bord ähnlich krachend ein, wie der Kontostand unserer Proviantistin, nachdem sie sich entschieden hat, ausgerechnet in der Karibik einen Camembert käuflich zu erwerben. Die karibikerfahrene Schifferin dürfen wir jedoch behalten. Nachdem nachmittags die vorletzten zwei Crewmitglieder hinzugekommen sind, geht es schließlich zum Baden an den nahegelegenen Straßenstrand.
Mit Walross 4 auf der Heineken Regatta
Die erste Nacht auf Walross 4 mit vollständiger Crew ist für alle mehr oder minder erholsam. An die ganz andere Geräuschkulisse als im heimischen Schlafgemach muss sich erst gewöhnt werden. Die unter der Wasserlinie schlafenden Crewmitglieder beruhigen sich mit einer Suchmaschine ihrer Wahl darüber, dass das knisternde Geräusch aus der Bordwand keine sich delaminierenden Funierlagen sind, sondern von der lebendigen Fauna am Unterwasserschiff vom Walross zeugt.
Trotz müder Augen und einer teilweise unerträglichen Hitze gibt’s am nächsten Morgen die Sicherheitseinweisung. Anschließend schwärmt die Crew aus, um letzte Ausrüstungsgegenstände zusammenzusuchen. Neben UV-Shirts sollen auch Crocs gefunden werden. Was Boris Hermann auf der IMOCA nutzt, kann für uns ja nicht schlecht sein! Leider müssen wir feststellen, dass hier im französischen Teil von St. Martin ein anderer Big Player im Leichtschuhbekleidungsbusiness regiert, der den Namen eines deutschen Baumes mit einem Teil eines klassischen Ankers verbindet. Das Vorhaben muss also auf den niederländischen Teil der Insel verschoben werden. Die Ausstattung unseres Kühlschranks wird mit Sauce Créole (der Verbrauch hiervon wird die nächsten drei Wochen biblische Ausmaße annehmen) und Salami vervollständigt.
Zum Abend wird der Wunsch des Wachführers, den Sonnenuntergang von einem besonderen Aussichtsspunkt aus zu bewundern, mit einem anstehenden Riggcheck getarnt. Oben im Mast kann er neben einem makellosen Rigg die schwimmenden Untersätze der Schönen und Reichen bewundern, deren lange Masten in der untergehenden Sonne noch längere Schatten über die Bucht von Marigot werfen. Unter anderem liegt hier die M5 vor Anker, die höchste Slup der Welt. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, in den nächsten Wochen unser Walross nicht am höchsten Mast im Hafen, wie sonst in der Ostsee, erkennen zu können.
Das geplante Abendprogramm im Go-To-Ort Grand Case fällt aus. Aufgrund der divergierenden finanziellen Vorstellungen der Crew und des letzten Taxifahrers (wir berichteten) sowie der breiten Ablehnung eines weiteren Gewaltmarsches schlendern wir zurück zum Walross. Unser selbst gesetztes finazielles Limit für die Taxifahrt wird ums Zweifache übertroffen.
An Bord zaubern die Smuts ein Mehrgängemenü. Zum Essen reicht der Wachführer ein kleines Gläschen Chili aus einem anderen französischen Überseedepartment, das er extra von Zuhause mitgebracht hat. Weder die Warnung „es ist sehr scharf“ noch die Tatsache, dass für drei Wochen und neun Personen eine Menge von etwa zwei Esslöffeln vorgesehen ist, halten ein Crewmitglied davon ab, sich einen gehäuften Teelöffel in den Mund zu schieben. Das tränende Gesicht bekommt gerade noch ein „Ich dachte, ich mag scharf“ heraus, bevor es eine ganze Weile lang still wird. Doch auch dieser Schmerz geht vorbei und der nächste Tag wird voller Vorfreude erwartet.
Am 04.03. legen wir ab aus der Marina Fort Louis. Unser Ziel: die Simpson Bay an der holländischen Südküste St. Maartens. Hier wollen wir einklarieren und während der Heineken Regatta vor Anker liegen, um die im Vorhinein als viel zu hoch erachteten Hafenkosten hinter der Klappbrücke in der Simpson Bay Lagoon zu umgehen. In dieser Bucht rollt das Walross aber derart, dass die Schiffsführung doch nochmal alle möglichen Häfen hinter der Brücke anfragt. Die Marina Port de Plaisance sagt uns einen Platz zu, nachdem wir über Funk 3m Tiefgang androhen. Beim Durchfahren der Brücke schlägt uns die geballte Gastfreundlichkeit des Brückenwärters entgegen. Zwei Bootslängen Abstand zum Vorderboot scheint seinem Anspruch an kurze Brückenöffnungszeiten nicht gerecht zu werden und wir werden wüst beschimpft. Würden wir morgen noch einmal so viel Abstand lassen, werde er die Brücke vor uns schließen. Wir sagen ja und Amen. Hilft in Berlin beim Angepöbelt-Werden doch meist selbstbewusstes Zurückpöbeln, trägt diese Taktik hier nicht zur Verbesserung der Gesamtsituation bei. Kurz hinter der Brücke kommt uns der Mariniero entgegen, der uns zu unserem Liegeplatz geleiten soll. Als er das Schiff zu den angekündigten 3m Tiefgang sieht, bekommt er Schnappatmung und wirkt wenig hoffnungsvoll, dass der von ihm angedachte und von uns bereits bezahlte Liegeplatz lang genug für uns sein wird. Alle Sorge ist aber unbegründet und wir können im Regattadorf längsseits am Steg anlegen.
Die Spannung am ersten Regattatag beginnt bereits weit vor dem Start, nämlich vor der Brücke. Noch vor Brückenöffnung sammeln sich viele der über 100 Boote in Brückennähe. Während von achtern ständig weitere Boote nachkommen, verdichtet sich das Feld vorne immer weiter und die Ausweichmanöver werden immer knapper. Dass einige der Regattaboote nicht wirklich zum Manövrieren gebaut sind, macht das Chaos perfekt. Wir versuchen, uns im hinteren Teil aufzuhalten und fahren immer mal wieder rückwärts, um nicht an der Päckchenbildung weiter vorne teilzunehmen. Glücklicherweise wird der Stöpsel irgendwann gezogen (die Brücke geht auf) und die aufgestauten Boote ergießen sich unter Anfeuern der Zuschauer am St. Maarten Yacht Club in die Simpson Bay. Im zweiten Reff und unter G4 beenden wir die beiden Rennen Richtung und um Pelican Island herum auf dem 5. von 7 Plätzen in unserer Wertungsgruppe CSA 3. Wir sind zufrieden, eine Class 40 und eine Swan 65 hinter uns gelassen zu haben.
Zurück im Hafen - wir liegen heute im Päckchen mit der Clipper 60 „Bluejay of Portsmouth“ und der eben genannten Swan 65 „Ilios“ - müssen wir feststellen, dass unsere zu "Eiskannen" umfunktionierten Thermoskannen von Walross 4 kein Eis mehr für die ersehnten Kaltgetränke bereithalten. Aufopferungsvoll verbrennt sich ein Crewmitglied umgehend, um dem Team vom Bierstand glaubhaft vermitteln zu können, dass wir dringend Eis benötigen. Professionellerweise werden wir mit unserem Anliegen zum Stand des Roten Kreuzes geschickt, bei dem dann doch das Gewissen einschreitet und die Eismission erfolglos abgebrochen wird.
Der Regattafreitag hält für die großen und schnellen Klassen eine Inselrundung bereit. Das erste Warnsignal unserer Klasse ist um 10:10 Uhr angesetzt, weswegen wir eine spätere Brückenöffnung anpeilen. Da die Durchfahrt aller Schiffe aber fast eine halbe Stunde dauert, können wir uns noch entspannt ans Ende der Schlange hängen. Das tägliche Murmeltier ist hier der Brückenwärter. Man könnte denken, er spielt eine Schallplatte mit Sprung ab, wenn er nicht ab und zu einzelne Boote besonders hart rannehmen würde. Manche Crewmitglieder träumen bereits von seinem Mantra: „Pick up the pace, pick up the pace! After clearing the bridge, exit the channel with a faster pace!“ Mittlerweile hat der Brückenwärter mit uns nicht mehr allzu viel zu schimpfen. Wir werden immer sicherer darin, unseren Bugbeschlag (ohne den aus Regelgründen abgebautem Anker) dem Achterdeck des Vorderschiffs detailreich zu präsentieren.
Unsere Schifferin erwischt einen guten Start. Boote, die wir gestern direkt von Anfang an ziehen lassen mussten, bleiben zunächst hinter uns. Auch die Crew wird immer eingespielter und ist im Vergleich zum gestrigen Tag um zwei Personen gewachsen. Immer mal wieder wird es dunkel an Deck. Nicht etwa, weil sich Klärchen nicht genügend Mühe mit der Sonne gibt, sondern weil schwarze Carbonsegel von Volvo Ocean Racern, Trimaranen und riesigen Slups die Sonne verdunkeln. Das lässt die Segelherzen höher schlagen! Das Rennen bietet mit der wunderschönen Nordküste St. Martins auch touristisch einiges. Auf der Ostseite der Insel müssen wir dann vorwinds unter G4 und Groß einige Schiffe ziehen lassen und wir kommen auf unserem vertrauten 5. Platz ins Ziel. Das letzte und wichtigste Rennen eines jeden Tages ist jedoch das Rennen zur Brücke. Schafft man die 15-Uhr-Öffnung nicht, muss man den verstauten Anker anbauen, in der Bucht ankern und bis 17 Uhr warten, nur um vor dem nächsten Rennen den Anker wieder abbzubauen. Deshalb wird mit dem Zielhorn die Genua weggerollt, der Motor gestartet, das Groß geborgen und in „Hebel-on-the-table“-Manier zur Brücke geeilt. Nach dem Anleger im gewohnten Päckchen verbringt ein Teil der Crew den Abend bei kaltem, günstigen Carib, einer karibischen Feuertonne und dem ein oder anderen Bad am Strand der Simpson Bay.
Ein hervorragendes Risotto unserer Smuts füllt später die leeren Mägen. Junge und Wilde hätten anschließend noch die Chance gehabt, bei Live-Musik bis tief in die Nacht zu feiern. Wir fragen uns aber, wer bitte den ganzen Tag bei praller Sonne Regatta segeln und dann noch die Nacht durchzechen soll??!? Wir jedenfalls nicht!
W4 im Wrap Up der St. Maarten Heineken Regatta 2026
Am Samstag stehen für unsere Klasse Up- and Downs auf dem Programm, insgesamt drei Rennen. Uns gelingen sehr gute Starts und das Walross behauptet sich in Böen bis 30 Knoten hervorragend. Es ist für das Regattafeld ein recht materialintensiver Tag. Um uns herum reißen Focks, drehen sich Spis zu Sanduhren und platzen Gennacker. Die Garderobe vom Walross aber steckt alles locker weg. Eine Tatsache, die über die Leistung der Crew hinaus für alle Vereinsmitglieder spricht, die sich in langen Wintern um die hervorragende Wartung von W4 kümmern. Die Plätze 4/3/3 und der damit verbundene Tagesdritte sind eine Vereinsleistung!
An Land holen uns dann wieder sehr schnell die irdischen Dinge ein: Wir müssen Wasser bunkern. Zum Glück kann in der Marina von der Crew ein Bollerwagen aufgetrieben werden. Die Alternative - eine Wasserkette vom Marinaeingang zum Walross - hätte sowohl die regattageschundenen Körper der Crew als auch die Teilnahme an der Siegerehrung gefährdet. Während alle Boote um uns herum ständig Dinge von Bord auf den Steg räumen, laden wir über die Decks der Nachbarboote eine Viertel Tonne Wasser ein. Die ungläubigen Blicke einiger Umherstehender kontern wir gekonnt mit einem „We were just too fast today!“. Anerkennendes Nicken.
Bei der folgenden Price Giving Ceremony auf der Fountain Stage dürfen wir einen orangefarbenen Wimpel entgegennehmen, der fortan neben der Klassenflagge unser Achterstag ziert und allen anderen Booten Inachtnahme empfiehlt. Leider geht auf der Bühne alles viel zu schnell, sodass das subversive Manöver des Wachführers, seine Jever-Badehose auf ein offizielles Heineken-Regattafoto zu schmuggeln, hinter einem Werbebanner kläglich scheitert.
Sonntag ist dann schon der letzte Tag der 46. Heineken-Regatta. Die Wettfahrtleitung schickt unsere Klasse auf einen 23nm langen Kurs. Kurz vor dem Amwind-Start wird das zweite Reff eingesteckt. Die ersten 30er Böen bestätigen uns in unserer Entscheidung und Walross kann auf dem kurzen Schlag gegen den Wind mit aushaltbarer Krängung gesteuert werden. Nach der Luvmarke können wir auf Halbwind abfallen. Mit geschricktem Groß reffen wir aus ins erste Reff, um auf dem dann folgenden Vorwindkurs mithalten zu können. Die Manöver kommen alle zur rechten Zeit und in der abgeschwächten Atlantikdünung springt W4 immer mal wieder auf 11 Knoten an. Was hier wohl mit 250kg Wasser weniger drin gewesen wäre? An der Südwestecke von St. Martin holen wir alle Schoten dicht und versuchen uns vor allem gegen unsere direkten Konkurrenten zu behaupten. Die knallrote "Fujimo", ein alter IOR Racer und "Kali", eine First 47.7, schenken uns nichts. Gerade die Großserienyacht der Swiss Sailing Academy scheint ein echter Wolf im Schafspelz zu sein und beeindruckt durch ihre Amwind-Performance. Die Wendemarke an der Westseite der Küste vor Marigot ist laut Regattaplan eine Kardinaltonne. Alle zur Verfügung stehenden navigatorischen Mittel werden bis ins kleinste Detail studiert. Sie sprechen, neben unserem Glauben daran, dass die Regattaleitung uns doch nicht übers Flach schicken wird, dafür, dass die Rundung regattamäßig eng erfolgen kann. Westkardinalen im Osten runden können wir! Ein Rest mulmiges Gefühl bleibt jedoch, schließlich sieht man selten Kardinaltonnen aus dieser Nähe und von allen Seiten.
Wir kommen schließlich als vierte ins Ziel und sind damit sehr zufrieden. Die letzte Brückendurchfahrt inbound geht, wie wir am Abend feststellen, auch in eine Wertung ein. Viele Crews geben sich große Mühe mit ihren Darbietungen: Die Frauencrew mit gelben Röcken und karibisch anmutenden Tänzen, die andere Berliner Crew in Heineken-Flaschenkostümen, die Österreicher auf der "Sisi", die ihren Bowman ins Vorstag ziehen, um an ihm eine Flagge mit dem Symbol ihres Lebenselixiers zu hissen: Bier. Den Zuschauenden wird einiges geboten.
Das gilt auch für das anschließende Abendprogramm. Zunächst wird die Abschlusssiegerehrung abgehalten, diesmal auf der großen Main Stage. Es dauert eine ziemliche Weile, bis alle Tagespreise, Gesamtpreise, Brückenshowpreise und diverse Sonderpreise verliehen sind. Bei einem jedoch hören die müden Ohren dann aber nochmal ganz genau hin: Es wird ein Preis für das besondere Engagement von Frauen im Segelsport verliehen. Der Name unserer Schifferin ertönt über Lautsprecheranlage. Toni muss sich ziemlich beeilen, um sich aus dem hinteren Teil des Publikums nach vorne und auf die Bühne zu schlagen. Für ihren Einsatz, die Verantwortung für unsere junge Crew zu übernehmen und den segelnden Nachwuchs zu formen, erhält sie völlig zurecht die silberne Trophäe. Danke Toni und herzlichen Glückwunsch!
So angefeuert können wir das zweite Highlight des Abends kaum noch erwarten: Die Reggae-Legenden von "Inner Circle" geben sich die Ehre. Mit ihren Welthits wie „Sweat“ und „Bad Boys“ sowie Covern weiterer Superstars wie Bob Marley bringen sie die Heineken in den Gläsern des Publikums zum Überschäumen. Auch die audiophilen Ohren einiger Gäste haben Grund zur Freude. Während man sich bei den restlichen Konzerten fragt, was die Sound Engineers beruflich so machen, klingt "Inner Circle" wirklich herausragend. Vermutlich haben sie ihre eigene Ton-Crew eingeflogen.
A la la la la long ist diese letzte Nacht. Welch ein schöner Abschluss einer anstrengenden, lehrreichen, spannenden und sehr unterhaltsamen Regatta!
Nachträglich grüßt die Walross 4 Crew aus St.Martin!
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