Geschrieben von am 22. Dezember 2025

Sonntag:

Nachdem sich die letzten Regenwolken am Vormittag verzogen haben, nimmt das Wetter wieder den Kanarischen Inseln würdige Formen an und lässt die Sonne wieder zum Vorschein kommen. Nachdem das Deck getrocknet ist, wird das Schiff ausfahrbereit gemacht. Die Crew wird gegen Mittag von zwei Neuankömmlingen komplettiert, woraufhin gegen 13 Uhr sofort die Leinen losgemacht und die Segel gehisst werden.

Bei einer achterlichen Brise wagen wir uns mit 7-9 Knoten um den Südzipfel der Insel auf der Suche nach einer dort ansässigen Delfinschule. Unter Deck werden Navigationsverfahren und Logbucheintragungen geübt. Zudem werden Nudeln mit Tomatensauce gekocht, sowie im Akkord Kaltgetränke, Snacks und Kaffee gereicht.

Aufgrund der schon fortgeschrittenen Tageszeit muss die Rückfahrt traurigerweise ohne Delfinsichtung angetreten werden. Bei dieser kommt die Frage von Spi oder Code auf – es wird sich für Code entschieden, wobei der etwas länger dauernde Anbau zu einer nur halbstündigen Einsatzzeit des Segels führt. Anschließend wird unter G3 und Groß hart am Wind die Marina angesteuert.

Der Sundowner kann anschließend leider nicht mehr auf der Kaimauer eingefangen werden. Abends wird gemeinsam bei dem luvwärts liegenden Inder diniert, der Teile der Crew schon Tage zuvor mit wohlriechenden Küchendüften angelockt hatte. Anschließend werden kurz vor Ladenschluss noch die Getränkevorräte für die Unterdeck-Sitzung und den nächsten Segeltag aufgefrischt. Bei Gin Tonic und Aperol Spritz werden in einem abendlichen Spontancasino Bachelorarbeitsentwürfe zur Umgestaltung des Pekinger Platzes in Berlin Wedding ausführlich präsentiert und ausgewertet.

Montag:

Für den nächsten Tag wird eine „frühe“ Abfahrtszeit anvisiert. Die Arbeitsteilung von Frühstückszubereitung und Deckvorbereitung führt dazu das dieses Vorhaben auch „gelingt“ und wir um 11 Uhr aus der Marina auslaufen. Ziel für den heutigen Tag ist eine Ankerbucht, der an der Nordküste von Fuertaventura vorgelagerten Islote de Lobos. Mit einem tollen Raumwindschlag unter G3 und Groß erreichen wir nach ungefähr 2h die Insel. Auf dem Weg kommen wir in den Genuss der Atlantikdühnung ehe der Anker in der Bucht auf Grund geht.

Anschließend wird gebadet, Shakshuka serviert und mit dem Beiboot gefahren. Auf dem Rückweg wird hoch am Wind aufgekreuzt.

Nach dem Anlegen wird das Boot zügig hergerichtet, da für den Abend zur Freude der Crew das Captains Dinner aufgrund einer morgigen Abreise angesetzt wurde. Das schiffsführungsseitige Internetrecherchenergebnis ist das einen halbstündigen Hafenspaziergang entfernte Cataplasma Electro Cantina. Das Lokal entpuppt sich als sehr ausgefallene Tapas Bar, in der Drinks in Avatarköpfen, Schatztruhen und schiefen Astköpfen serviert werden sowie eine Drapierung mit Seifenblasen aus Rauchpistolen erfolgt. Auch die Gerichte werden kreativ beispielsweise auf liegenden Buddhafiguren präsentiert. Die auffällige Anrichtung ist zudem keinesfalls eine Ablenkung von mangelnder kulinarischer Qualität, wobei dem Smashed Burger ein unverarbeiteter Lebensmittelbestandteil nicht geschadet hätte.

Nach einem sehr gelungenen Captainsdinner möchten wir den Abend bei einem Absacker ausklingen lassen. Montag ist anscheinend jedoch ausgehtechnischer Schontag an der Marina, weswegen das Vorhaben auf das Schiff verlagert wird. Unterwegs statten wir zur Konditionsidentifizierung dem Waschraum einen Besuch ab. Kurz danach werden wir von einem Marina-Security angesprochen, was wir denn dort gemacht hätten und welchem Boot wir angehören. Die aus der Konversation hervorgehende Feststellung: Walross 4 unterliegt auf Spanisch einer für uns eher unintuitiven Aussprache und 10 Personen im Waschraum nach Mitternacht sorgen bei der Marina Secu für mittelgroßes Aufsehen.

Dienstag:

Am nächsten Tag bläst der Wind mit 8 Beaufort, sodass wir uns gegen einen Segeltag entscheiden. Nach einem späten Frühstück beschließen wir den Küstenspaziergang von einigen Tagen zuvor auf eine Küstenwanderung zu erweitern. Es geht entlang der kargen Steilküste über 3 Sandstrandbuchten bis hin zum südlichsten Punkt der Insel. Neuankömmlinge müssen den Strandradschlag vorzeigen (wir berichteten). Es wird gebadet ehe uns das wechselhafte Wetter mit starkem Wind und Regen zu einem schnellen Strandaufbruch bewegt.

Wir wollen uns in ein nah gelegenes Restaurant ins trockene Retten, werden aber nicht bewirtet, sodass wir unseren selbst mitgebrachten Proviant nach einem schnellen Vorbeiziehen der Regenwolken in Sichtweite der gastunfreundlichen Bedienung in der Sonne genießen. Wir beenden unsere 10km Wanderung am späten Nachmittag und verabschieden die Sonne wie gewohnt auf der Kaimauer. Anschließend wird zügig ein Einkaufsteam zusammengestellt, das sich zu Fuß Richtung ALDI aufmacht, um vor Ladenschluss noch die Vorräte für die kommenden Tage zu füllen. Nach dem der Laden mit voll bepackten Einkaufswägen verlassen ist, wird festgestellt das die auf google angegebene Öffnungszeit anstelle von 19 Uhr 22 Uhr beträgt und somit die während des Hinwegs minutiös getaktete Einkaufssystematik einer möglichst zeiteffiziente  Supermarktabrasterung nicht notwendig gewesen wäre. Vor dem ALDI treffen wir Inselmusiker Fred, mit dem wir bereits einige Tage zuvor eine musikalisch feucht fröhliche Nacht im Salon verbracht hatten (wir berichteten). Dieser bietet uns netterweise seine Lieferdienste für die Einkäufe bis in die Marina an. Der Rest der Crew hat bereits ein leckeres Curry zubereitet. Nach dem Abendbrot wird Imposter gespielt. Die beste Umschreibung des Begriffes Polizeistation wird mit „Die Weide“ betitelt (Spielregeln bei Interesse bitte selbst recherchieren). Zu späterer Stunde wird noch die erste halbprofessionelle Spielklasse im einarmigen Reißen in der Drittelliterklasse ins Leben gerufen.

Es war ein schöner Tag.

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