Geschrieben von am 27. November 2025

Auf La Gomera angekommen verschenken wir keine Sekunde. Über Umwege schaffen wir es, uns einen Van für einen Tag zu mieten, mit dem wir die Insel zu neunt erkunden können. Dabei ist einiges enthalten: Stadtspaziergänge, Urwalderkundung, 9x Fleischbällchen auf einem der Bergdörfer, (Reifendruckkontrolle), Strandauszeit und zurück an Bord. Den nächste Tag nutzen wir, um ein wenig am Schiff zu schrauben und auch San Sebastian zu entdecken. Wir erfahren, dass wir ca. 500 Jahre nach dem Start der Entdeckungsreise nach Amerika im selben Hafen liegen wie Columbus. Damals hatte er hier seinen letzten Zwischenstopp vor seiner Entdeckungsreise nach Westen gemacht, um unter anderem Proviant aufzustocken. Das dokumentierte Abreisedatum am 06.09.1492 war die Abfahrt aus San Sebastian.

Hiermit ist für die zwei Tage auch mehr als genug Programm gewesen, die nächste Insel steht auf dem Ziel. Die Abfahrt erfolgt 533 Jahre, 2 Monate und 10 Tage nach Columbus bzw. am 16.11.2025 gegen 20:00 Uhr. Halbe Winde mit bis zu 5 Bft ermöglichen uns einen ausgezeichneten Start mit 10 kt+ unter Code 1 und vollem Großsegel.

Leider haben wir den Fehler dabei gemacht, zu nah an die Abdeckung südlich von Teneriffa zu kommen, sodass die schnelle Fahrt unterbrochen wurde und wir uns mit reichlich Geduld aus dem Windschatten der Vulkaninsel herausschieben mussten. Nachdem wir das geschafft hatten, ging es direkt in die Düse zwischen Teneriffa und Gran Canaria, unserem nächsten Ziel. Gemäß Planung also Code weggerollt und die bereits angeschlagene G4 gesetzt. Nachts begleitete uns für einige Stunden ein Vogel, den wir mit unserem Großsegel „erschreckten“. Zum Glück schien er sich erholt zu haben und verließ uns im früheren Morgen durch den Seezaun aus eigener Kraft. Der nächste Tierbesuch kam am Morgen, wo uns eine Schule Delfine kurz begleitete mit geschätzten Tierzahlen von 40 Delfinen. Ankunft Gran Canaria um 12 Uhr vor Anker direkt vor dem Hafen in Playa de Mogán.

Auch hier hieß es wieder „kein Platz“. Aber die Ankerbucht direkt davor war ideal geschützt vor Wind aus Nord, sodass wir den Nachmittag zum Baden nutzten. Das Beiboot wurde ebenfalls aufgeblasen, um den Bordalkohol, sowie ein paar Grundlagen aufzustocken. Dank Riccardos Küchenspanisch (Großteils italienisch mit den richtigen spanischen Vokabeln gemischt) konnten wir mit der Hafenmeisterin abstimmen, über Nacht am Fähranleger zu bleiben. Hier lagen wir gemeinsam mit der Santa Maria aus Hamburg. Ihnen war das Walross bekannt; sie freuten sich, für eine Nacht mit uns im Päckchen zu liegen.

Die deutlich touristisch geprägte Insel zeigt sich wie erwartet mit einer schönen fußläufigen Innenstadt, hauptsächlich gefüllt mit teuren Restaurants. Gefahr erkannt und ein brillantes Abendessen in zweiter Reihe gefunden zu faireren Preisen, wie fast überall gespickt mit reichlich Bier und gemischten Vorspeisen für die gesamte Crew.

Tags drauf müssen wir früh raus zum erneuten Ankern. Auch an diesem Mittag gibt es einiges am Schiff zu tun, unter anderem die Anpassung der Besegelung. Am Tag drauf brechen wir, ohne sehr viel von der Insel sehen zu können, zu unserem Zielort nach Lanzarote auf. Die Hoffnung, erneut eine Nacht an dem Fähranleger liegen zu können, wird bitter enttäuscht. Die Hafenmeisterin ist kurz davor ihren Job zu verlieren, weil sie die Nacht zuvor das Päckchen hier zugelassen hat. Stattdessen hat sie uns zwei Plätze freigehalten an Mooring-Bojen im Hafen, die allerdings so eng sind, dass wir uns stattdessen entscheiden, die Nacht vor Anker zu verbringen. Der eine Platz hatte zwischen einem Traditionssegler und einer Motorbratze (mit laufendem Bugstrahlruder) maximale 4,60 m Platz, welche bei bekannten 4,55m Schiffbreite von WALROSS 4 doch ein wenig eng waren. Der zweite Platz war von den Tiefenverhältnissen ungewiss, zudem wurde das seewärtige Schiff vom Wind ebenfalls so weit in die Box gedrückt, dass auch dieses Manöver bei Nacht ein unnötiges Risiko gewesen wäre. Zum Glück wurde uns erlaubt bis 23:30 am Fähranleger zu liegen, wo wir noch Wasser bunkern und Fisch essen gehen.

Die Nacht vor Anker hätte (nach Beendigung der Bordparty, versteht sich) nicht ruhiger sein können. Die geplante Abfahrt verzögerte sich aufgrund von Schlafmangel um zwei Stunden auf ca. 12 Uhr Anker auf. Die geplante Route führte uns südlich von Fuerteventura vorbei und nach rechtsdrehenden Winden am frühen Morgen auf der Ostseite der Insel nach Norden.

Leider waren entgegen der Vorhersage doch 3 kt mehr Wind in der Düse, sodass wir unterwegs die frisch aufgezogene G3 auf die G4 wechseln musste. In der Nacht täuschten wir einen taktischen Segelwechsel an, sodass der Wind genug auffrischte, um den Wechsel erst bei Sonnenlicht durchzuführen. Der nächtliche Auslauf, den die G3 an Deck hatte, wurde hoffentlich genossen, diese wurde direkt danach wieder verstaut. Somit blieb die G4 uns bis in die Morgenstunden erhalten.

Da wir hier dauerhaft hoch am Wind fuhren, wurde dies unsere einzige „Kreuz“ der Reise. Mit geplanten Kreuzschlägen von 80 Meilen pro Bug und einer Wende verloren wir allerdings im Morgengrauen die Nerven und hatten keine Lust mehr, nach Afrika zu fahren. So kreuzten wir ein wenig die Küste Fuerteventuras hinauf, bis wir wie geplant gegen Abend mit einer 9 kt Rutsche unter G3 vollem Groß und leichtem Schrick in Richtung Hafen einliefen.

Sicher verstaut und aufgeräumt servierte uns Oliver ein hervorragendes 3 Gänge-Captains Dinner und es gab Wein, Bier und Aperol bis in die Nacht hinein. So endet unser Inselhopping bereits wieder. Wir brachten das Schiff auf Hochglanz und mussten uns danach warm anziehen, denn nach T-Shirt-Wetter und durchgehenden 20 Grad plus wurden uns schon von vielen Angehörigen ungemütliche -4 Grad in Berlin angekündigt.

Das kann was werden.

Freut euch auf die Karibik-Saison, um dem Berliner Winter zu entkommen, es wirkt Wunder!

In dem Sinne und im Namen der Crew – schöne Seereise ex!

Thole

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