Geschrieben von am 2. Oktober 2025

Die Anreise auf die Azoren ist unsere erste Hürde. Schuld ist Hurrikan Gabrielle. Zu allem Überfluss wird auch noch der BER gehackt und der Check-in dauert vier Stunden. Wenigstens schafft es unser Gepäck nicht vollzählig bis auf die Azoren: 30% Verlustquote. Wofür steht TAP nochmal? Take another plane? WALROSS 4 liegt in Ponta Delgada. Als Einzige können die Zipfels den Übergabetermin einhalten.

Ponta Delgada ist der größte Ort der Azoren und bleibt uns wegen der guten Versorgungsmöglichkeiten in Erinnerung: Auf dem Großmarkt und beim Käsekönig bleibt kein Wunsch unerfüllt. Viele prunkvolle Bauwerke entstehen im frühen 16. Jahrhundert im Emanuelstil zur Zeit von Portugals wirtschaftlicher und kultureller Blüte.

Die Marmorplatte

Wir müssen diverse kleine Reparaturen und einen Riggcheck durchführen. Danach gibt es zur Stärkung jenes Gericht, das die Crew als „Marmorplatte“ in ewiger Erinnerung behalten wird. Gut gestärkt bestreiten wir die Sicherheitseinweisung. Was sonst frontal durch die Schiffsführung präsentiert wird, gestalten wir als flipped classroom: Freiwillige Crewmitglieder bereiten jeweils ein Kapitel vor und stellen es vor. Die Crew gibt positives Feedback und bestätigt den Anreiz, sich selbst mit Schiff und Systemen auseinanderzusetzen. Der Höhepunkt ist sicherlich die penibel von Anke gehaltene Einführung in die Seenotsignalmittel.

Auf dem Ozean

Am nächsten Morgen setzen wir die Reparaturen früh fort, um noch etwas Zeit für den Ort zu haben. Mit dem Mietwagen fährt ein Trupp zur schönen Lagoa das Sete Cidades. Am Nachmittag laufen wir aus. Ziel: Horta. Halbwind bei 3 bis 4 bedeutet natürlich Code-1-Bedingungen, und wir rutschen munter dem Ziel entgegen. Währenddessen zerkleinern wir freudig Berge von Gemüse fürs Curry. Vor Sonnenuntergang wechseln wir auf die G3 und gehen entspannt in die Nacht. Die Nachtstunden ziehen sich zäh dahin, und alle Naselang vernieselt es uns die gute Laune. Wenn aber zwischendurch der Mond herauskommt und sich die Wolken verziehen, lässt sich der Blick kaum vom Himmelszelt abwenden. Sofort werden das Nautische Jahrbuch und die Astro-App konsultiert: Wo ist Orion?!

Horta Erkunden

In der Morgendämmerung liegt Pico querab. Wir kreuzen schließlich gen Horta und legen mit der WALROSS an der Außenmole an. Hier haben sich bereits etliche Crews vor oder nach ihrer Ozeanpassage bunt verewigt. Die letzte WALROSS-Crew war 2016 hier. Nach einem ausgedehnten Mahl gehen wir die Pflichten an: Wir laufen Horta in erster Linie an, weil der örtliche Segelmacher in seiner Werkstatt Schäden am Großsegel reparieren soll. Also starten wir den Kraftakt, das Großsegel abzuschlagen. Als es endlich in den fachmännischen Händen von Luis und Sofia liegt, machen wir uns auf, den Ort zu erkunden. Wir enden mit Kaltgetränken auf dem Wellenbrecher der Reduto da Patrulha. Diese kleine Festung in der Nachbarbucht Porto Pim wurde früher von Patrouillenschiffen und Walfängern genutzt. Den Abend beschließen wir im geheimen Fischlokal. Den Wink hat uns eine mysteriöse örtliche Informantin gesteckt. Und als in den Hafenlokalen bereits der letzte Ton verstummt ist, schmettern wir an Bord noch die schiefsten Karaokehits.

Das fehlende Großsegel gibt uns am Folgetag die Ausrede, die Landseite der Insel zu erkunden. Mit dem Mietwagen geht es zunächst zum wörtlichen Highlight der Insel: zur Caldeira, ein gigantischer Vulkankrater auf 1043m Höhe. Doch schon die Vorcrew ließ verlautbaren: Auf den Azoren regnet es bei jedem Wetter. So auch heute: der gesamte Krater liegt im Nebel. Die Wanderung lassen wir also getrost bleiben. Die Abfahrt führt über Schotterpisten durch wild wucherndes Grün, das sich im milden atlantischen Klima pudelwohl fühlt – genau wie die vielen Kühe.

Kurz nach dem Vulkanausbruch

Wir fahren weiter zum arbeitslosen Leuchtturm Farol da Ponta dos Capelinhos. Ab September 1957 sorgt eine einjährige Serie von Erdbeben und unterirdischen Vulkanausbrüchen für die Entstehung einer massiven vulkanischen Insel. Das gesamte Gebiet wird mit Magma und Asche überzogen und der Leuchtsektor wird durch die neue Halbinsel verschattet. Heute können wir diese Geschichte in einem Museum bewundern. Wer darauf keine Lust hat, stiefelt durch die Asche hinunter zum Meer und badet in der Brandung.

Felsen und Eidechsen

Nächstes Ziel ist die Halbinsel Morro de Castelo Branco, ein kleines Naturschutzgebiet, in dem unter anderem Sturmtaucher (Cory’s Shearwater) Unterschlupf finden. Es gibt auch ein kleines Museum mit einem freundlichen Wärter, der uns auf Englugiesisch volltextet. Burkhart versteht ihn dennoch prächtig. Die wichtigste Erkenntnis aber: Auch Eidechsen mögen Bolognese.

Wir besuchen ein letztes Naturbad und erfreuen uns am warmen Atlantik bei 20°C. Dann geht es müde, aber glücklich zurück an Bord. Und während hier die letzten Zeilen entstehen, brutzeln in der Pantry schon die Burgerpattys.

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