
Wir haben Samstag, den 27. September 2025 um 10:55 BZ. Samstag?! Da war doch was? Ach ja, unser letzter Vormittag an Bord. Hier wird schon wieder umhergewirbelt, und der Chronist sitzt wieder wie angenagelt in der Navi-Ecke. Ein letztes Mal Abwaschen, ein letztes Mal Bodenbretter putzen, ein letztes Mal die ToDo-Liste abhaken.
Inzwischen ist unser College-Block auch fast aufgebraucht von den vielen ToDo-Listen, die im Laufe dieser Seereise geschrieben wurden. Eine Liste für „Wenn nicht mehr alle seekrank sind“, eine Liste für „Ruhige See“, eine Liste für „Wenn wir nicht mehr so viel Krängung haben“, eine Liste für „Wenn wir im Hafen sind“ und so weiter und so weiter. Selbst für den Wäscheklammerfall an Bord gab es am Ende eine Liste.
Dabei fällt mir auf, dass wir inzwischen alle tot sind, außer die Mörderin. Nachdem nur noch vier Crewmitglieder übrig waren, gab es schon eine sehr erhöhte Nervosität. Jede Berührung oder Annäherung zwischen den Verbliebenen führte zu heftigen Abwehrreaktionen, und ständig suchten wir uns nach Wäscheklammern ab. Leider half das alles nicht und kurz vor dem Mittag war ein weiterer Mord in der Pantry zu beklagen. Dieses Mal hatte es die Wachführerin erwischt. Damit war die Backbordwache kopf- und die Steuerbordwache körperlos.
Nun hatte die Klammermörderin leichtes Spiel. Noch bevor sich die beiden übrigen Protagonisten einigen konnten, griff sie mit blitzschnellen Handgriffen zu den Wäscheklammern an der Leine und die Pantry wurde erneut ein schauriger Schauplatz des Klammerschauspiels. Später stellte sich heraus, dass einzelne Crewmitglieder schon mehrere Klammerangriffe unbeschadet oder sogar unbemerkt oder einfach verpeilt („Ich dachte, dass ich mir die Wäscheklammer da selbst angesteckt hatte.“) überlebt hatten. Trotz allem konnte die Klammermörderin bis zum Schluss ihr Unwesen treiben. Bis vorgestern war sie noch nicht einmal im Kreis der Verdächtigten, ja ihr Name wurde lange Zeit noch nicht einmal in Erwägung gezogen. Diese Partie „Mord an Bord“ hat damit die Klammermörderin gewonnen. Wir sind fragen uns derweil, was uns die vielen Folgen der Drei??? geholfen haben und sind froh, nicht in einer Detektei zu arbeiten – obwohl es ja zumindest zum Aufspüren von Walen gereicht hat.
Damit endet unsere Reise von Roscoff auf die Azoren nach insgesamt 1.599 Seemeilen, von denen 1.581 sm unter Segeln zurückgelegt wurden. Davon fuhren wir etwa 1.350 sm hoch am Wind und ca. 40 sm unter Spinnaker, 115 sm unter Code0. Die restlichen Seemeilen können rückblickend nicht mehr exakt rekonstruiert werden. Vor allem, weil es noch jetzt 11:46 BZ ist und die Übergabe an die Folgecrew damit in 14 Minuten startet und der Chronist daher so langsam mal den Bord-PC freigeben sollte.
Schöne Seereise Ex!
Eure WALROSS-Crew der RosZoren-Reise

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