
Wir schreiben Freitag, den 26. September 2025 in unser Logbuch. Beziehungsweise, da wir immer mal wieder mit dem Lückentext im Logbuch nicht klar kommen, schreiben wir heute: „Seetag: Freitag, Dat: 26.09., den … 2025“ in unser Logbuch.
Es ist 08:22 BZ, und die ersten Menschen haben sich aus den Kojen heraus pfeifen lassen. Das Schiff liegt mit bis zu 15° Krängung fest vertäut im Hafen. Und was gerade pfeift, ist wirklich nur der Wind. Wir müssen eine Aussage des letzten Berichtes korrigieren: Es regnet hier gar nicht bei jedem Wetter. Wenn ein Hurricane (Gabriele, bloß noch Stufe 1) hier vorbeizieht, dann scheint sogar die Sonne. Das abendlich-leichtsinnige Interesse des Steuermanns daran, einmal 100 kn Wind zu erleben, ist schon bei 35 kn gestillt. Die Messungen zeigen auch Werte jenseits der 48 kn. Wie gesagt: im Hafen. Draußen an der Mole brechen sich die Wellen, zum Glück kommt aktuell nur die Gischt über. Das Hafenbecken ist dennoch ausreichend aufgewühlt.
Am gestrigen Donnerstag fahren wir nochmals, von sämtlichen Reiseführern angepriesene, heiße Quellen an. Hier werden auch Wanderwege mit Wasserfällen und allem Drum und Dran versprochen. Nichts steht da jedoch davon, dass das Gelände komplett eingezäunt ist und dass es ein mehrstufiges Eintrittssystem gibt, wobei an der ersten Ticketstufe noch versichert wird, dass da alles inklusive sei. Wie auch immer, nach einem gemeinsamen Mittagssnack und der Klärung von Prinzipienfragen („Ich lass mich hier doch nicht verarschen“) steigen wir wieder in die Mietautos und fahren zurück in Richtung Ponta Delgada, wo ein anderer Wanderweg auf uns wartet. Dieser bietet zwar keine heißen Quellen („Die stinken sowieso nach Schwefel“), aber dafür Wasserfälle, Lagunen, eine Ziege und die inzwischen weitgehend überwucherten Ruinen der wasserkraftbetriebenen Elektrifizierung der Insel. Die Strecke und vor allem deren Ende gefallen uns so gut, dass wir beinahe den Rückgabezeitpunkt der Autos verpassen. So treten wir im Galopp den Rückweg der Wanderung an. Verschwitzt, erschöpft und teilweise mit Knieschmerzen können wir die Autos noch ausreichend rechtzeitig zurückbringen.
Nach einer schnellen Dusche steht ein ganz wichtiger Punkt dieser Seereise an: Die Wanderung zum Captain's Dinner und natürlich das Captain's Dinner an sich. Fazit: Man sollte sich vom Äußeren eines Restaurants nicht täuschen lassen, und die müssen in der Küche irgendwie mehrere große Flaschen „Richtig Lecker“ verarbeitet haben. Auf dem Rückweg unternehmen wir dann nochmals einen Kuhstreichelversuch. Kleinere Kuh-Exemplare wachsen nämlich hier auch in der Stadt. Der Versuch ist jedoch erneut nur von einem Teilerfolg gekrönt: „Du hast dich schon viel dichter an die Tiere getraut!“ Auf dem weiteren Weg finden wir dann noch eine Karaoke-Bar und können u.a. Queen zum Besten geben. Um 2 Uhr nachts ist da jedoch auch Schluss (evtl. wegen der ausgerufenen Alarmstufe Rot im Vorfeld des angekündigten Sturmes.
Apropos Sturm: Ein Sturm der Entrüstung tut sich auf, als kurz nach Eintritt in das Restaurant eine weitere Wäscheklammer an einem Crewmitglied gefunden wird. Diesmal hängt sie unvermittelt im Nacken. Unsere detektivischen Bemühungen laufen zu Hochformen auf, und bereits am heutigen Morgen können wir eine weitere Verurteilung aussprechen. Da sich nach der Bestrafung auch dieser Spruch als verfehlt herausgestellt hat, haben wir zwar den Fall immer noch nicht aufgedeckt, aber der Kreis der möglichen Täter*innen wird immer kleiner. Da der Chronist über jeden Verdacht erhaben, aber noch unter den Lebenden ist, bleiben noch drei ernsthaft Verdächtige (wer schreibt, bleibt).
Ach so, um die Gemüter zu Hause zu beruhigen: Der Sturm ist ohne bleibende Spuren über uns hinweggezogen. Über die Mole werden keine Delfine geweht und der Himmel ist weiterhin blau. Um 15:30 BZ nähern wir uns erneut dem täglichen Mittagsessen, haben den Farmers-Markt leer gekauft und müssen langsam fürchten, dass unsere Chilisoße für diese Reise nicht ausreichen wird.




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