Geschrieben von am 25. September 2025

Wir haben jetzt den 24. September um 16:09 BZ. Im und auf dem Schiff wirbelt die Crew unentwegt hin und her – wir haben noch ein paar Dinge zu fixen, bevor hier demnächst ein angekündigtes Sturmtief durchzieht. Manche Crewmitglieder sind laut eigener Aussage tatsächlich auch ganz gut mit der Säge.

Am Sonntag erreichen wir noch im Morgengrauen den Hafen von Ponta Delgada. Ein Großteil der Crew tut daraufhin, was man halt so tut, wenn man in eine neue Stadt kommt – erstmal schlafen. Am Nachmittag machen wir uns dann in Kleingruppen auf zur Stadterkundung. Hier sieht es ganz schön nach Nebensaison aus. Aber der botanische Garten ist auch hier ein echtes Kleinod. Überall laufen Hühner mit ihren Küken herum, in den versteckteren Ecken wird wild geknutscht, während der Regen immer mal wieder mehr und weniger wird. In Angra war es irgendwie gemütlicher.

Den Montag nutzen wir daher, um noch einmal segeln zu gehen. Im Vorfeld suchen wir auf unseren Kartenplottern und marinetraffic.com nach möglichen Whale-Watchern. Detektivisch untersuchen wir die aufgezeichneten Tracks von azorischen „Pleasure-Crafts“ und folgen unter voller Besegelung deren aktuellen Routen. Etwa 9 Seemeilen Südöstlich von Ponta Delgada sehen wir dann einen Haufen Vögel auf und über dem Wasser und eine Horde größerer und kleinerer Motorboote. Wenig später erblicken wir auch die ersten Wasserfontänen (bzw. ein Crewmitglied sah angeblich diese Fontänen). Aber dann stürmt plötzlich ein Schwarm wildgewordener Delfine an uns vorbei. Unzählige Tümmler auf der Jagd nach Fischen - und in etwas Abstand dazu erblicken nun auch mehr als nur dieses eine Crewmitglied Fontänen und dann auch die Rücken und Flossen von Seiwalen. Ein wenig mulmig ist uns schon, als ein Seiwal unter Wasser direkt neben dem Schiff schwimmt.

Als wir uns endlich an den Meeressäugern satt gesehen haben, gehen wir nochmals auf die Kreuz und fahren noch etwas raus auf den Atlantik, um für den Rückweg unter Spi ausreichend Platz für Übungsmanöver zu bekommen. Kurz* vor der Hafeneinfahrt sitzen dann die Spi-Halse und das Spi-Bergemanöver so gut, dass wir auch bei auffrischendem Wind sicher in den Hafen einfahren.

Der Dienstag steht ganz im Lichte des Geburtstages eines Crewmitgliedes. Nur das Wetter spielt anfangs nicht mit und auf unserer Inselrundtour fahren wir von einem Nieselregen in den nächsten. Dabei nähern wir uns vielen Kühen mit dem Versuch, dem Geburtstagsmenschen den sehnlichen Wunsch einer Kuhstreichelung zu erfüllen (Aktion „Ku(h)schelbar“). Leider kommen wir nicht mehr als auf 5 Meter an eine Kuh ran. Als Ausgleich gibt es jedoch zumindest für den Geburtstagsmenschen eine Kuscheltierkuh! Im Anschluss geht es mit Sekt und Schokokuchen zu den mit 60 Grad angepriesenen heißen Quellen am Atlantik. Nach 500 Höhenmetern und 6 Serpentinen zu Fuß und dem Anblick eines Geröllfeldes fällt uns allerdings auf, dass wir den Reiseführer etwas genauer (oder überhaupt) hätten lesen sollen. Die Wassertemperatur steigt hier nämlich nur bei Niedrigwasser, in diesem Fall am Ende des Tages. Im Dunkeln und mit einer halb aufgewärmten Crew fahren wir dann zurück zum Schiff.

Themenwechsel: „Mord an Bord“ nimmt wieder Fahrt auf. Noch bevor kuscheliges Moos über die Sache wachsen kann, hat sich die Crew nach stundenlangen und ermüdenden Debatten am Frühstückstisch doch endlich dazu hinreißen lassen, den tatverdächtigen Schiffer für schuldig zu sprechen. Dieser Spruch ist ein endgültiger. Kurz nach der gerechten Bestrafung („Tod durch Wäscheklammer“) müssen wir leider einsehen, dass der Schiffer gar nicht der Schuldige ist. Aber Fehler passieren und wir werden demnächst erneut gerecht und treffsicher richten. Der*Die wahre Täter*in weiß jetzt jedenfalls, dass wir nicht einfach so tatenlos zusehen, wie die Crew dahin geklammert wird! Um den Schiffer ist es zwar etwas schade, aber wir sind ja bereits fest vertäut im Zielhafen.

Der Chronist sucht sich nun am 25.09. um 10:07 BZ erstmal einen gemütlicheren Stein.

 

 * “kurz“ ist natürlich Definitionssache

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