
Wir schreiben Sonntag, den 21. September 2025 auf unsere neue Logbuchseite. Es ist 00:47 BZ (jetzt tatsächlich auch Azorische Sommerzeit). Ihr fragt euch vielleicht, warum der Chronist am Sonntagnacht nichts Besseres zu tun hat, als in der Navi-Ecke zu sitzen und Logbucheinträge zu machen? Davon wird in den nächsten Zeilen berichtet.
Nachdem unsere mehrseitige Arbeitsliste am späten Donnerstagabend nach der nächtlichen Ankunft in Angra abgearbeitet war, machten wir uns auf, um das vielzitierte Nachtleben der Stadt zu erkunden. Wir fanden den botanischen Garten und ganz in der Nähe das „beste Bier der Stadt“ – überall anders wäre die Welt ein trauriger Ort industrieller Bierherstellung, und der Bananencidre hatte es auch in sich. Letztendlich führte uns die Erschöpfung nach den Strapazen der letzten Tage jedoch zurück in unsere Koje.
Am nächsten Tag mieteten wir uns zwei Autos und versuchten, das quirlige Gewimmel von Angra hinter uns zu lassen. Jedoch mussten wir dafür ein schier undurchdringbares Gewirr an schmalen und vor allem steilen Einbahnstraßen durchkreuzen. Mit viel Mut und vor allem Zuversicht, dass von rechts schon kein Auto käme (die Chancen standen sowieso 50/50, da es sich um eine Einbahnstraße handelte) und im 2. Gang bei bis zu 50 km/h schafften wir es, die Kreuzungen zu überqueren, ohne dass allzu häufig am Berg angefahren werden musste (so etwas kenne wir aus Berlin ja nur von der Vereinsgeländeausfahrt).
Das erste Ziel war eine Käserei, schließlich wohnen auf Terceira mehr Kühe als Menschen – dort verliebten wir uns in die lokal produzierte Chilisauce, die seitdem auf keinem Brötchen (außer mit Marmelade) und in keiner Schüssel (außer mit Müsli) fehlen darf. Weiter ging es vorbei an winzig eingemauerten Maisfeldern und Kuhweiden zu einem weiteren botanischen Garten. Jetzt begann eine ganz neue Reise – eine Reise in das schier unendliche Reich der pflanzlichen Haptik. Wir streichelten uns vorbei an samtigen Blättern und machten erste Erfahrungen mit kuscheligem Moos. Jedoch konnten wir da noch nicht ahnen, welch haptische Gefühlsexplosion uns beim abendlichen Wandern durch ein Hochmoorgebiet erwarten würde.
Auf dem Weg dahin machten wir einen Zwischenstopp an einem atlantischen Natur-Pool. Hier konnte man, durch vulkanische Felsen geschützt vor der direkten Atlantikwelle, im kühlen Nass planschen. Oder aber man ließ sich von kleinen Fischchen die Füße abknutschen. Der Chronist hat dabei mit seinen Füßen einer anderen Besucherin alle Fischchen abgelockt – was das jetzt heißt? Aber zurück zu der Weichheit der azorischen Flora. Die scheint nämlich gerade der schroffen vulkanischen Felslandschaft, die sich darunter verbirgt, alles entgegen setzen zu wollen. Für die adäquate Beschreibung des samtig weichen Mooses und der flauschigen Nadelbäume fehlen uns leider die Adjektive. Aber so viel sei gesagt: Nach ausgiebigen Moos-Streicheleinheiten schafften wir es nicht mehr, den Rundwanderweg zu Ende zu bringen. Denn die Autos wollten zurückgebracht werden und trotz des Käses gegen Mittag verspürte das ein oder andere Crewmitglied doch so langsam ein kleines Hüngerchen.
Wieder im Schiff diskutierten wir nochmals das vorhergesagte Wetter der nächsten Tage und die damit einhergehende Routenplanung. Santa Maria hatten wir schon länger abgeschrieben, hätte der Besuch dieser Insel doch mindestens eine Fahrt gegen den Wind und durch die Nacht bedeutet. Am nächsten Morgen entschieden wir uns dann endgültig dafür, Terceira noch am gleichen Abend zu verlassen und uns nach São Miguel zu begeben. Jetzt fahren wir durch die Nacht und hoch am Wind – das mit dem Wetterrouting sollten wir wohl nochmal üben.
Mit den Wäscheklammern ist seit der Verdächtigung unseres Schiffers übrigens weiterhin alles ruhig. Das mediale Interesse darum hat, ähnlich wie im wahren Leben, dann auch sehr schnell abgenommen, denn keine gute Story ohne Story.
Um nun 01:58 BZ grüßt von fast halber Strecke nach São Miguel
die WALROSS-Crew








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