Posted by on 19. September 2025

In unserem Logbuch steht, dass wir Mittwoch, den 19. September 2025 hätten und inzwischen in den neunten Seetag gestartet seien. Wir selbst zählen schon lange nicht mehr mit. Die Tage verschwimmen im Rhythmus des Wachwechsels. Bei uns an Bord ist es aktuell 00:46 BZ. Von Ruhe kann hier jedoch keine Rede sein. Erneut rauschen wir durch das Wasser, während der Hydrogenerator sein wohliges Surren durch die Achterpiek verteilt und der Rumpf in unregelmäßigen Abständen in eine Welle einstampft.

Inzwischen hört man auch das Plätschern des Restwassers im nunmehr fast leeren, ersten Frischwassertank. In der Pantry schlägt immer wieder der Karabiner eines Einhängegurtes gegen die Rückwand des Salons, und die gegen die Navi-Seitenwand schlagende am Handlauf aufgehängte Taschenlampe wurde soeben in ihre Tasche zurück verbracht. Der kurze Zeit als vertrieben geglaubte Knarzgeist, der sich am Unterliekstrecker in der Großbaumnock eingenistet hat, ist bereits seit Tagen wieder zurück. Wir haben den Kampf gegen ihn aufgegeben und uns so langsam an sein knarzig-schauriges Quietschen gewöhnt: „Das schauen wir uns im Hafen an.“ Derweil wird Kartoffelsalat für den morgigen Tag zubereitet. Wir bereiten uns damit auf die nächste uns treffende Kaltfront vor. Das dazu gehörige Tief steckt aktuell im Nordatlantik westlich von Irland. Uns erwarten nochmals 20 Knoten Grundwind aus Südwest, mit dem wir jedoch unser nun feststehendes Ziel im Laufe der nächsten Nacht erreichen sollten.

Mental bereiten wir uns darauf vor, endlich Terceira zu erkunden. Es gibt schon großartige Pläne: „Ich überlege gerade, ob ich erst eine Waschmaschine starte und dann bis die fertig ist duschen gehe, oder ob ich direkt dusche. Dann habe ich aber das Problem, dass ich keine frische Wäsche habe, aber andererseits wäre die ja so oder so noch nicht trocken. Vielleicht sollte ich dann zweimal duschen, bis die Wäsche dann aus dem Trockner kommt.“ Die Heckdusche wurde für den gestrigen Tag nochmals abgelehnt. So lange unsere Position noch auf keiner mitgeführten Papierkarte eingetragen werden kann, auf der nicht der gesamte Nordatlantik zu sehen ist, wollen wir unsere Frischwasserreserven nicht leichtfertig vergeuden.

In der Wäscheklammergeschichte gab es heute erneut keinerlei Vorankommen. So richtig ernst scheint die Crew das also nicht zu nehmen. Obwohl jedoch immer wieder Wäscheklammern überall aus dem Nichts auftauchen, ist auch heute zum Glück nichts weiter passiert.

Um 01:55 BZ haben wir auf unserer Reise die 1300-Seemeilen-Marke geknackt. Wir befinden uns auf der Position 38°47,3’N, 024°06,9’W und damit 140 Seemeilen östlich von Zielhafen in Praia Do Vitoria.

Wohlbehalten und gut drauf grüßt die WALROSS-Crew.

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