Posted by on 16. September 2025

Wir haben Dienstag, den 16. September 2025. Es ist 04:11 BZ. Wir starten in den 8. Tag auf See. Seit etwa 7,5 Tagen haben wir nur noch Meer um uns herum. Rückblickend muss hier noch von Stunden absoluter Dunkelheit berichtet werden. Diese Stunden haben es in die persönlichen Tagebücher der Crew unter anderem mit dem vielsagenden Titel „Finsternis“ geschafft. Während nach achtern schauend noch der klare Sternenhimmel zu sehen war, erstreckte sich voraus ein Nichts. Innerhalb dieses Nichts blendete die Navigationsinstrumente selbst noch in ihrer dunkelsten Einstellung. Insbesondere der Person-Over-Board-Knopf irritierte von der Seite rot schimmernd. Während schon weniger Meter vom Schiff entfernt die Gischt im Schwarz verschwand.

Aber auch diese Nacht liegt bereits einige Wachen zurück und wir blicken auf einen weiteren ereignisreichen Seetag. Wir konnten in einer mehrstündigen Aufräumaktion endlich die G3 (das „Arbeitssegel“) in ein verstaubares Format zwängen. Dabei ist uns in der Segellast ein Segel aufgefallen, das bis dahin sehr gut durch die G3 versteckt wurde: unser Spinnaker! Da wir in der vorherigen Nacht endlich durch den vorhergesagten Winddreher überrascht wurden und wir nun bis zum Morgen mit achterlichen Winden und viel zu kleiner Besegelung durch die Dünung flappten, begannen wir sofort mit den Vorbereitungen zum Setzen unseres Bärchen-Spis. Kurze Zeit später hieß es dann: „Heiß vor!“ und der Spi erblickte das strahlende Sonnenlicht. Nun ging es auf direktem und kürzestem Wege in Richtung Terceira. Natürlich nur, bis der Steuermann erneut seinen Rappel bekam und vorschlug, doch noch ein paar Manöver unter Spi zu fahren – halt zur Übung und Platz haben wir ja. Da dies für viele Neuland war, dauerte die Vor- und Nachbesprechung und die Manöverdurchführung selbst einige Zeit, sodass wir es bei zwei Übungshalsen beließen und wieder auf Sollkurs gingen.

Damit haben wir jetzt abgesehen von der Sturmfock und dem Starkwind-Spi alles an Tüchern oben gehabt, was die Segellast zu bieten hat. Nachdem dann in der Abenddämmerung der Spi durch den Code 1 ausgetauscht wurde und das Abendessen genossen war, ging es auch für den Steuermann in die Koje. Dort hörte er jedoch ein von hinten (also für ihn aus dem Ruderraum kommend) unheilvolles Geräusch, ein Quietschen und Ziepen. Kurze Zeit später kam von oben der erfreute Ruf: „DELFINE!“ - Wir fragen uns, ob diese Tiere nur deswegen um Segelboote herumtollen, weil sie sich so sehr darauf freuen, von uns Menschen mit ihren Namen angeschrien zu werden. Wie dem auch sei. Zumindest für den Steuermann gab es jedenfalls keinen Schlaf vor der Nachtwache. Wollte er doch auch diese knuffigen verspielten Tiere beim Planschen beobachten.

Zum Sonnenuntergang wurde dann noch ein von der Wachführerin zubereiteter Apfelkuchen serviert (allein der war die Reise schon wert) und die Boombox wurde zum ersten Mal angeschmissen. Vom Glücke beseelt fuhren wir so unter sternklarem Himmel die Milchstraße entlang…

Kurz vor Mitternacht taucht dann noch ein Schiff in Funkreichweite auf, das uns einige Stunden später in Sichtweite (!) überholt. Es fährt in die gleiche Richtung wie wir. Für uns ein Zeichen, dass wir dem Zwischenziel doch so langsam näherkommen.

Eins wäre bei der ganzen Action des gestrigen Tages fast unter gegangen: Die Entscheidung, wie wir mit unserem Schiffer als Tatverdächtigem in der Wäscheklammermordserie weiter verfahren. Nach einer brennenden Verteidungsrede: „Ich kann nur sagen, ich war das nicht!“ ließen wir für diesen Tag noch einmal Gnade walten. – Wie viel muss noch passieren? Gestern ist zum Glück in dieser Hinsicht nichts passiert.

Um 06:35 BZ grüßen wir euch, geneigte Leser*innenschaft, wohlauf von der Position: 38°47,0‘N, 021°22,6’W.

Die WALROSS-Crew

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