
Wir haben Montag, den 15. September 2025. Bei euch ist es mehrheitlich vermutlich 01:25 MESZ. Da wir den Sonnenaufgang nicht mehr erst nach dem Frühstück haben wollten, haben wir gestern pünktlich gegen 15:58 die Uhr auf die portugiesische Ortszeit zurückgestellt. Damit haben wir es jetzt also 00:28 Bordzeit (BZ), und jetzt wisst ihr auch wie langsam der Chronist um diese Zeit tippt.
Der gestrige Sonntag zeigte sich wettermäßig von seiner allerbesten Seite. Durch ziemlich ruhige See glitten wir bei traumhaftem Sonnenschein und etwa 3 bis 4 Beaufort in Richtung Azoren. Genau genommen nicht ganz in deren Richtung, da der vorhergesagte Winddreher erst verspätet und dann auch nicht ganz so stark einsetzte. Unser Ziel können wir damit leider immer noch nicht ganz anliegen. Wir segeln also wie die letzten etwa 900 Seemeilen hoch am Wind dem Reiseziel entgegen. Dieses heißt seit gestern nicht mehr willkürlich „Azoren Approach“, sondern Terceira. Wir haben uns endlich für eine der Inseln entschieden. Welchen der beiden möglichen Häfen wir da anlaufen werden, steht jedoch noch nicht fest.
Dramatisch ist, dass die Wäscheklammer gestern erneut zugeschlagen hat. Dieses Mal hat es ein Crewmitglied aus der Steuerbordwache erwischt. Die erste Verdächtigte der vorherigen Tat kann für den diesmaligen möglichen Tatzeitraum ein wasserdichtes Alibi vorweisen: Tiefschlaf im Crewlogis. Dafür stand erstaunlich schnell ein neuer erschreckender Verdacht im Raum: der Schiffer. War er doch über einen ausgedehnten Zeitraum allein mit dem Opfer an Deck. Außerdem hat er schon mit Fischen gezeigt, dass er absolut vor nichts zurückzuschrecken scheint. Wir haben uns noch nicht der Selbstjustiz hingegeben, aber man muss sich schon fragen, wie viele unbescholtene Crewmitglieder hier noch heimtückisch hinterrücks erklammert werden sollen!
Außerhalb unserer kleinen Welt hier bekommen wir nicht so viel mit. Ab und an begrüßen uns DELFINE!!!!! Und gestern wurden auch SCHILDKRÖTEN!!!! gesichtet. In 10 Seemeilen Entfernung tauchen immer mal wieder Frachtschiffe oder Fischerboote in unserem Funkbereich auf, und in der Nacht werden fleißig (und zumindest in der Steuerbordwache äußerst unwissend) Sternenbilder gesucht (bzw. in der Steuerbordwache auch gerne mal erfunden). So gab es schon einen Fixstern im Süden, dessen Existenz mit höchster mathematischer Präzision (irgendwas mit Pi und Bogenminute) durch ein anderes Crewmitglied widerlegt wurde – oder so ähnlich.
Essenstechnisch schnippeln wir uns gerade durch die „frischen“ Zutaten aus dem Gemüseverschlag. Diese waren eigentlich für die ersten Tage gedacht, aber ihr wisst schon, Welle und so. Gestern gab es darum wieder ein ganz einfaches Essen. Wir brauchten nur den Ofen, den Herd, so an die 10 Schüsseln und den kompletten Salon zum Anrichten. Gegessen werden konnte wegen des guten Wetters zum Glück draußen und der Abwasch ist auch gar nicht so schlimm, wenn andere ihn machen.
Am 15. September um 01:06 BZ befinden wir uns nun auf Position 39°43,6’N, 017°42,7’N und verbleiben mit so langsam ungeduldigen Grüßen von Bord.
Eure WALROSS Crew
P.S.: Eilmeldung – seit 01:45 BZ segeln wir nicht mehr am Wind und können Terceira jetzt direkt anliegen. Mit einer kleinen Regenwolke kam der vorhergesagte Winddreher. Wenn man mit unserem Plotter weit genug heraus zoomt, kann man den dabei entstandenen Steuerfehler gar nicht erkennen.




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