Posted by on 14. September 2025

Wir haben Sonntag, den 13. September 2025 um 04:15 MESZ. Die erste Wende der Steuerbordwache ist aus Sicht des Chronisten ganz gut verlaufen. Und wer die Geschichte aufschreibt, bekommt nun mal auch recht, da kann sich die Backbordwache noch so viel über angebliche Lärmbelästigung beschweren.

Inzwischen ist auf dem Schiff wieder alles ruhig. Gestern wurde zum Glück kein neuer Wäscheklammer-Mord verübt. Dafür begrüßte uns der Morgen mit einer satten Portion der uns bereits wohl bekannten Welle „Biskaya-Art“ - „Du kriegst die Atlantik-Welle zwar aus der Biskaya, aber anscheinend nicht die Biskaya aus dem Atlantik.“

Plötzlich kam der Wind
und mit ihm geschwind
auch die Welle
mal von der Seite
mal von vorn
wir stampfen durch die See
manch Crewmitglied hat schon mehr als eine Delle
oder blauen Zeh.

Im Großen und Ganzen haben wir uns jedoch schon akklimatisiert, so dass trotz des Seeganges bereits über Kopf unter dem Klo-Waschbecken in der Bilge geschraubt werden konnte - es gibt hier auch immer was zu tun. Apropos „zu tun“. Heute haben wir mit allen Sinnen erleben dürfen, warum unsere Genua 3 als „Arbeitssegel“ betitelt wird. Da zu jedem Windwechsel natürlich auch ein Segelwechsel gehört, musste die gestern mühevoll an Deck gezerrte G3 heute wieder geborgen und unter Deck gebracht werden. Jetzt jedoch triefend nass und bei überkommender See auf dem Vorschiff zusammengelegt (also gelinde gesagt nicht sehr platzsparend). Das Segel schlängelte sich dann vom Niedergang bis in die Crewlogis. Alle Kräfte wurden gebraucht, um es doch noch irgendwie in die Segellast zu zwängen. Jetzt geht die Tür zur Segellast zwar nicht mehr zu und der Schiffer hat auch noch ein anderes Segel bei sich zum Kuscheln (die Segellast ist halt voll), aber immerhin ist unser Arbeitssegel sicher unter Deck.

Die Bb-Wache hat unterdessen einen Signature-Drink für die Nachtwachen entworfen. Das Rezept ist zu gut, um es zu teilen, aber so viel sei gesagt: Pfefferminztee, Zitrone und Honig machen müde Hunde wieder munter.

Das bereits angekündigtes Azoren-Hoch scheinen wir jedenfalls weiter vor uns her zu treiben, so dass uns evtl. zumindest die Flaute vorerst erspart bleibt.

So langsam sehen wir wieder Schiffe in Funkreichweite und hoffen damit auch von euch, geneigte Leser:innenschaft, gesehen zu werden.

Falls das nicht klappt, hier unsere aktuelle Position: Samstag, 14.09.2025, 06:04 MESZ: 41°12,9’N, 06°10,1’W.

Es grüßt weiterhin wohlauf

Die WALROSS-Crew

P.S. ehrlicherweise sollten wir gestehen, dass wir die eigentliche Biskaya-Welle vermutlich gar nicht erlebt haben, schließlich waren wir „nur“ am westlichen Rand der Biskaya, und einen ausgewachsenen Sturm hatten wir uns für die Überfahrt natürlich auch nicht ausgesucht.

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