
Reise 06 führt die bunte Crew um Lord Schneggleston, Carlo und Juan in einer Woche durch den Kanal nach Guernsey und Frankreich. Friederike und Andreas haben schon im Vorhinein durch geographische und kulinarische Kenntnis der Zielregion Hoffnung auf ein ausgefeiltes Beiwerk zur Reise gemacht. Diese werden in der Backbordwache durch Nico ergänzt. Die redselige Steuerbordwache ist mit Stef, Chad und Georg besetzt.
In Portsmouth empfängt und der englische Sommer. Die Übergabe geht gut von der Hand dank praktischer Vorlagen. Auf besonderer Mission befinden wir uns, da der SR-X bei seiner letzten Übergabe einiges der Bordausrüstung nicht nachweisen konnte. Wir sind in Sorge, dass er dafür etliche Taler entrichten muss und an dem Landmast gemartert wird. Doch zunächst ist Proviantieren und Afternoon Tea angesagt, mitsamt Meringue Pie, Clotted Cream und Digestives. Gestärkt durchläuft die Crew die Sicherheitseinweisung.
Das erste Leg soll Crew und Schiff miteinander bekannt machen. Es geht nach Yarmouth im Westen auf der Isle of Wight. Der Schiffer huldigt Neptun, worauf der Dreizackige spontan an Bord steigt und uns furchtbar präsent wird. Wir werden ihn wieder los. Die britischen Sonntagssegler bevölkern den Solent, unsere Crew bekommt Manöverroutine. Nach dem Afternoon Tea üben wir die einschlägigen Bergemanöver auf allen Kursen, nur ein Cappy muss Neptun zur Besänftigung geopfert werden.



Kaum haben wir in Yarmouth festgemacht, eilt ein lustiger Mann den Steg entlang zu uns und bittet um kräftige Helfer. Wir sollen sein abgesoffenes Dingy bergen. Schnell bricht Tatendrang aus. Die Aktiven ignorieren seine unnützen Ratschläge und präsentieren die nasse Nussschale wenig später oben auf der Sliprampe. Wir stehen noch ein wenig herum in der Hoffnung, er sei ein zum Dank bereiter, großzügiger Wirt eines Pubs. Das ist er leider nicht. Dann müssen wir wohl auf eigene Faust ein Inn mit Sunday Roast aufsuchen. Leider werden wir überall des Lokals verwiesen: kein Platz mehr! Dann halt nur an den Tresen, oder zu Fuß auf den Küstenspazierweg. Entlang des Western Yar zeigt sich eine reizende südenglische Landschaft und auch der eine oder andere Vogel. Neben dem späteren Dinner an Bord wäre der Sunday Roast erblasst.
Mit dem ersten Büchsenlicht gehen wir am nächsten Morgen auf den Solent, sodass wir mit günstigem Strom auslaufen können. Die Needles begrüßen uns mit ihrer berüchtigten Heftigkeit. Ein Tief, das unbeirrt über Irland steht, hat für rauen Wind und Seegang ohne Ende gesorgt. Die Bedingungen sind Anlass für zahlreiche Opfergaben an Neptun. Gerade so können wir unseren Flaggenstock ihm gegenüber behaupten. Im Schonungsmodus begehen wir die übrige Überfahrt unter diversen Reffs und Stagfock. Zum Lunch sitzt der Schiffer allein an der Schlingerback, trotz des leckeren Irish Stew. Erst mit Guernsey im Blick können wir auf die G4 wechseln. Wir steuern St. Peter Port durch den Little Russel in der späten Nacht an. Das Hafenbecken vor der Hauptstadt des Bailiwick of Guernsey wird gehütet von der Festung Castle Cornet. Wir schlängeln uns durch das mit Booten gefüllte äußere Hafenbecken vor zu unserem Liegeplatz. Als wir uns mit festen Leinen um 05 AM auch über das Irish Stew hermachen, hat nichts jemals besser geschmeckt.
Der nächste Morgen ist gezeichnet von Wartungs- und Reparaturarbeiten am Schiff. Die Crew zieht diese mit bemerkenswerter Konzentration durch, sodass man schon am Nachmittag zum Landgang aufbrechen kann. Der Bus fährt uns durch die als Steuerparadies bekannten Orte die Küstenstraße entlang nach Norden. Die Häuser sehen hübsch und gepflegt aus. Es gibt zwei parallele Immobilienmärkte: einen offenen und einen lokalen, auf dem nur die Anwohner Grund mieten bzw. kaufen dürfen, die einen Beruf mit lokaler Relevanz ausüben. Diese Immobilien kosten zwar nur 1/4 des offenen Marktes, sind aber immer noch unbezahlbar. Passend dazu endet die Busfahrt mitten auf dem Golfplatz. Wir stiefeln quer über die Putting Greens zu neolithischen Ganggräbern, wo Steinzeitinsulaner vor 5.000 Jahren Bestattungsrituale durchgeführt haben. Am Abend wird ein kulinarischer Traum Realität - es gibt Moules et Stampf.





Am Folgetag ist das nächste Randtief vorgezogen und geht bald mit „gale warning“ durch den Ärmelkanal. Wir bleiben also erneut im Hafen und verschieben mit der Nachcrew die Übergabe von Brest nach Roscoff. Der gewonnene Landtag wird auf Castle Cornet angetreten. Die Festung, gegründet um 1200, war bis vor 100 Jahren von der Insel getrennt und hat, wenn es politisch nötig war, auch mal mit Kanonen auf die Hafenstadt geschossen. Der beste Job der Burg war wohl der des Kräutergärtners.
Die Crew erkundet die Insel, bevor der Schiffer abends zum Dinner einlädt. Fisch und Meeresfrüchte wecken Vorfreude auf den nächsten Segeltag, endlich mal wieder. Um Mitternacht legt die blaue Rennyacht "Aquis Granus IV" der Aachener ASV-Verbandsgeschwister neben uns an. Wir wollten gern mit ihnen anstoßen, doch sie sind am isolierten Quarantänesteg unerreichbar. Am nächsten Morgen verholen sie sich, und man kann das andere Boot beschauen. Anschließend versichern sich beide Crews bestimmt selbst, dass die eigene Vereinsyacht doch die coolere ist. Wir verabschieden uns und geben Leinen los mit dem Ziel Roscoff.
Schon kurz nach dem Start melden sich die ersten Meeresbewohner. Beim ersten Holeschlag zeigen sich Basstölpel und Delfine. Immer wieder begleiten diese uns, springen um den Bug, während wir gute Fahrt machen. Der Sternenhimmel ist unglaublich und wir toben uns aus im Deuten des Wintersechsecks. In den Morgenstunden schleichen wir gen Roscoff, können noch tanken und legen dann im Hafenbecken mit überraschend wenig Strömung an. Die Crew macht sich an die Todo-Liste, um das Schiff übergabefein zu machen, und birgt in Einzelteilen mehr als einen Impeller aus dem Ladeluftkühler. Abends gehen die Hartgesottenen noch mal am nahegelegenen Strand schwimmen. Und zur Übergabe am anschließenden Samstagmittag konnten endlich auch die verschollenen Ausrüstungsgegenstände im Schiff ausfindig gemacht werden, Burkhart zur Rettung!
Schöne Seereise Ex!



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