
Nach der Überführung und unserer Ankunft in Cowes standen die letzten Tage ganz im Zeichen der Vorbereitung auf das Rolex Fastnet Race. Der Liegeplatz am Steg in East Cowes stand uns für zwei Nächte zur Verfügung und wurde intensiv genutzt, um das Schiff regattaklar zu bekommen. Direkt am Abend schnappte sich die Crew einen Trolley und verfrachtete die Ankerkette und das Beiboot in Richtung Storage. Alles was als weiterer, unnötiger Ballast identifiziert wurde, konnten wir von Bord räumen. Neben Großteilen der Pantry und der Bibliothek fand sich allerhand Entbehrliches zum Auslagern, sodass wir am Ende eine gute Tonne an Gewicht einsparen konnten.
Der Eifer beim Sparen nahm an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas überhand, sodass wir am nächsten Tag die Kaffeekannen vermissten und einige Teile wieder zurückgeräumt wurden. Die daraus resultierenden Hafenmanöver wurden von der Crew mit Begeisterung als Ausbildungsmöglichkeit wahrgenommen.
Unter den wachsamen Augen von Hafenmeisterin Hazel verließen wir den Steg beinahe pünktlich und bezogen unseren neuen Liegeplatz an der äußersten Mooring in der J-Row. Dabei sorgten gegensätzlicher Wind und Strömung dafür, dass sich Walross zunächst nicht so recht für eine stabile Liegeposition entscheiden wollte. Das gesamte Schiffergremium versammelte sich daher zu einer ausgiebigen Beratung am Bug, bis die Festmachermimik hinreichend „optimiert“ war.
Bei der Crew hatte sich im Vorfeld Skepsis bezüglich der Erreichbarkeit der Facilities breit gemacht. Mit dem einsetzenden Mooringkino wich diese jedoch schnell der Begeisterung, als die ersten IMOCA60 und Ocean Racer vorbei fuhren und einige Startgruppen der Cowes Week Classic unter Spi das Walross passierten. Auch die Segelbedingungen ließen sich nun mit einem einfachen Blick aus dem Niedergang abklären.


Immer häufiger waren große, schnelle und schöne Schiffe aus nächster Nähe zu betrachten, womit sich der Start des Fastnet Race ankündigte. Dieses Jahr hat die Wettfahrt ihr 50. Jubiläum und ist dabei mit einem Startfeld von über 450 Schiffen die größte Offshore-Regatta der Welt.
Zwei Abende vor dem Start lud der örtliche Royal Ocean Race Club alle Teilnehmer zu einer Gartenparty auf das Vereinsgrundstück. Zu einem ordentlichen Kontingent an Freigetränken und Gegrilltem konnten wir uns mit anderen Crews wie der von der HASPA Hamburg austauschen. Livemusik sorgte darüber hinaus für gute Stimmung, bis wir das letzte Wassertaxi zu unserem Liegeplatz erwischen mussten. Mittlerweile konnten wir auch Sonderkonditionen für die regelmäßigen Überfahrten verhandeln.
Der letzte Tag wurde zum Aufklarieren, letzten Besorgungen und einer wertgeschätzten Dusche genutzt. Der vorerst letzte Landgang in Cowes endete danach mit einer Pizza für die Crew beim fleißigen Schreiben von Postkarten.
Die Steuerleutebesprechung wurde online gestreamt, und wir konnten den Worten von Veranstalter, Race Officer und Wettergott von der Mooring aus folgen. Auch bei seiner Jubiläumsedition zeigt sich das Fastnet Race mit den üblichen britischen Sommerbedingungen – 30 Knoten von vorne mit Regen und Welle. Hierfür haben wir Schiff und Crew ausgiebig seefest präpariert, sodass uns die 2,5m Wellenprognose keine Sorgen bereitet (Anmerkung: an dieser Stelle lacht der Verfasser leicht panisch beim Schreiben, der Navigator ist seltsam ruhig geworden).
Dementsprechend wird uns der Kurs entlang der südlichen Küsten führen, sodass wir Gebiete mit geringerem Schwell suchen. Das aktuelle Routing rät uns zu guter Performance, um einem angekündigten Hochdruckgürtel mit schwachen Winden über Irland auszuweichen. Sollte unser Plan aufgehen, erwarten wir den Fastnet Rock in ca. 2,5 Tagen.
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