Geschrieben von am 31. Mai 2019

Freitag, 31/5 – 8 Frau/Mann westwärts

Option d) hat gewonnen. Also zieht eine Einkaufscrew los, während andere das Schiff säubern, mit Frischwasser Betanken und klar machen um Auslaufen. Leider müssen wir uns von Thomas verabschieden, der am Samstag nach Berlin zurück muss und morgens seine Sachen packt. Er hilft der Hafencrew, die imposante Gangway wieder auf die Pier zurück zu verfrachten und wir winken uns gegenseitig wehmütig zu...

Wir starten gen Westen. Ponza? Porto Cervo? Eine schicke Ankerbucht an der Sardischen Küste? Bonifacio? Alles abhängig von den Launen der Natur. Die Sonne begleitet uns treu. Zunächst auch unser naturgegebener Antrieb. Und die WhatsApp Nachrichten von Thomas, wahlweise mit Bildern vom Ausblick aus seinem Hotel oder seines aktuellen Drinks. Oder mit wohlwollend Hinweisen auf die zahlreichen Restaurants auf Ponza.

Zwei Beautyfort (die Einheit, in der wir die Windgeschwindigkeit ob des freundlichen Mittelmeers nun messen) sind leider zu wenig für eine rechtzeitige Ankunft auf Ponza. Wenigstens stimmt die Richtung - zunächst.

Samstag, 1/6 - Mittelmeer ist zum Glück nicht Stuttgart

Als die Hundewache weder Windgeschwindigkeit noch Windrichtung eindeutig bestimmen kann, nimmt sie die dieselgetriebene Bronzefock zu Hilfe. Wir sind ja zum Glück nicht in der Stuttgarter Innenstadt. Auch die Frühwache hält diese Antriebsform noch aufrecht. Sehr zum "Wohlbefinden" der Bewohner der achteren Suites. Die beeindruckenden Kavitationsgeräusche des Propellers speichern wir vorsorglich als mp3 für die nächste Verfilmung von Buchheims "Das Boot".

Welche Freude als der zunehmende Wind am Vormittag erfolgreich nach dem Code One ruft. Wir beginnen, über das Ziel auf Sardinien nachzudenken. Mondänes Porto Cervo in Gesellschaft von Bruce Willis und Mick Jagger, die man hier regelmäßig antreffen soll? Oder vielleicht durch den Bisce Channel und in eine hoffentlich ruhige Bucht? Der Schiffer gibt die Parole "Performance Segeln" aus.

Jedenfalls bedankt sich das Walross für die ruhige Wetterlage und die daraus resultierende und von der Crew genutzte Möglichkeit, sich um liegen gebliebene Wehwehchen zu kümmern. Tatsächlich finden wir die schon seit letzter Saison vorhandene Undichtigkeit in der Hydraulikanlage und können diese beseitigen. Leider müssen wir dabei auch 0,5l ausgelaufenes Hydrauliköl beseitigen (natürlich NICHT ins Meer!). Und das fehlt uns nun zum nachhaltigen Druckaufbau für den Rest der Reise. Denn Ersatz ist leider unterwegs nicht zu bekommen. Kein Beinbruch, Überwachen und regelmäßiges Pumper ermöglicht weiteres Performance Sailing.

Sonntag, 2/6 - we'll be back …

Erneute Planänderung: die uns wichtigste Naturgewalt spielt einfach nicht so, wie wir es uns wünschen. Ein Stop in einer friedlichen Ankerbucht am frühen Morgen, mit verbleibenden 2 Stunden Schlaf und resultierendem müden Cruisen durch die Inselwelt und Naturschutzgebiete vor der NO Küste Sardiniens scheint uns nur eine halbe Lösung. Also besser gleich weiter nach Bonifacio, auch wenn der Wind durch die Meerenge zwischen Sardinien und Korsika auf den Kopf kommt. Wir sind uns alle einig: Wir müssen zurück kommen - entweder per Wohnmobil oder als Charterer.

Die Crew übt nun in mondloser Nacht, Abstände zu noch dunkleren Küstenumrissen und Leuchtfeuern zu schätzen. Die Bandbreite der Schätzungen ist enorm. Aber als wir die Straße von Bonifacio erreichen, graut der Morgen. Es geht mit ein paar Wenden gegenan durch die Meerenge in Vorfreude auf frischen Kaffee nach dem Anleger.

Andreas, ein Freund von Olivetti hat sich ebenfalls für Bonifacio angekündigt. Er kommt aus Rom mit seiner neuen CNB 70 und ist dort gut 22 Stunden nach uns gestartet. Trotzdem steht er jetzt gerade einmal 12 sm östlich von uns. Den nur noch kleinen Vorsprung nutzen wir für einen märchenhaften Anflug auf die in die Landschaft geschnittene Hafenstruktur und unseren Check In.

Wenig später macht die DEA direkt neben uns fest. Große, Wiedersehensfreue bei den beiden Schiffern über ein zufälliges Wiedersehen, das man auch bei gründlicher Planung nicht besser hin bekommen hätte. Champagner und Gin Tonic erscheinen alleinig angemessen. Gegenseitige Besuch offenbaren die gänzlich unterschiedlichen Konzepte beider Schiffe. Wir haben viel Spaß beim Fachsimpeln und Austauschen alter und neuer Geschichten.

Da der Tag ob unserer frühen Ankunft auch nach dem ausgiebigen Duschen noch jung ist, kundschaften wir das Dorf in kleinen Gruppen aus. Die Überraschung ist doch groß, wie weitläufig sich der Ort hoch oben auf den Klippen mit seinen vielen kleinen Gässchen erstreckt. Der Blick auf die andere Seite, Richtung Sardinien, wo wir wenige Stunden zuvor noch mit der Natur gespielt haben, ist beeindruckend.

Den Abend beschließen wir in einem nahegelegenen Restaurant mit Moules Frittes und abschließenden Drinks an Bord. Andreas ist wieder zu Gast und wir fachsimpeln weiter. Die Attraktion ist seine Brille gegen Seekrankheit. Entwickelt von Peugot, scheinbar auch das Design. Ob das wohl hilft.

Montag, 3/6 - Gesangsstunde

Nach letzten Besorgungen und Körperpflege wollen wir Bonifacio verlassen, als zwei weitere Chartercrews luvwärts neben uns einparken. Deren interessante Manöver zwingen uns zum Verharren in unserer Box, bis der Guide auf seinem Schlauchboot beide wieder wegscheuchen will. Glücklicherweise gelingt es uns, ihn von der Priorität unseres Auslaufens zu überzeugen, sodass wir dem seltsamen Schauspiel nicht ein weiteres Mal beiwohnen müssen. Das Walross beweist erneut, wie einfach es mit fester luvseitiger Achterleine und richtigem Ruderlegen auch bei heckseitigem Liegen an der Pier und quer stehendem Wind zum Drehen zu bringen ist. So verlassen wir unaufgeregt die Box neben den staunenden Charterern.

Nach dem flotten Setzen der Segel vor der Einfahrt des Naturhafens von Bonifacio stimmt der Steuermann eifrig DAS LIED an. Es beginnt eine längere Gesangsstunde, die leider einem größeren Publikum verwehrt bleibt.

Der Schiffer kämpft gegen Krängung und schwächelnden Herd an, um die Crew zum Abendessen mit Thai-Curry satt zu kriegen. Es geht satt in die Nacht.

Der Wetterbericht ist zuverlässig. Noch in der Nacht nimmt uns das Hoch W-lich Sardiniens jeglichen Gradientwind. Die Bronzefock muss wieder ran. Wir haben ja nun genügend Übung, diese auch ohne Impellerverglühen in Betrieb zu nehmen …

Dienstag, 4/6 - Segelmanöver

Lediglich die Hundewache hat für 2 Stunden das Vergnügen, unserem Segelsport nachzugehen. Ansonsten dauert es bis nach 10 Uhr am Morgen bis die Windmaschine wieder eingeschaltet wird. Die Dieselfock muss also lange Dienst verrichten. Der weitere Tag erfreut uns dann mit Sonnenschein und glattem Wasser. Ruft allerdings auch zu diversen Manövern auf. Zunächst unter G3 geht es später mit Code One, dann mit Bärchen-Spi und schließlich wieder mit Code One unserem Ziel entgegen.

Steffi und Mich kredenzen zum Mittag Fisch auf Gemüsebett. Abends zaubert Marion einen köstlichen Thunfischsalat. Es ist also für Stimmung und Kraftnachschub ordentlich gesorgt.

Mittwoch, 5/6 - Schildkröte überfahren?

Wieder hält der das Wetter, was die Vorhersage bereits bei Abfahrt in Bonifacio versprochen hat. Der Wind frischt auf und dreht uns auf die Nase. G3, später Stagfock und Reff 1 müssen ran. Das klappt bis weit hinter Menorca - Landfall am späten Vormittag - auch ganz gut.

Vor dem Mittagessen taucht an Steuerbord plötzlich eine kieloben treibende Schildkröte auf. Sofort wird Michi des Mordes bombardiert. Er habe das arme Tier überfahren. Beate macht glücklicherweise ein Flossenwinken aus, worauf insbesondere der Rudergänger erlöst aufatmet. Es bleibt das Geheimnis der Schildkröte, ob WIR die Ursache für ihre Kenterung waren.

Die Fahrt wird holpriger. Trotzdem verwöhnt der kampfeslustige Steuermann die hungrigen Mäuler mit Nudelgulasch an Penne. Leider verweigert manch eine(r) die Nahrungsaufnahme ob der holprigen Fahrt der letzten Stunden und dem daraus resultierenden Schlafmangel nebst schlechter Laune.

Der Wind spielt in Stärke und Richtung mit Annäherung an Mallorca völlig verrückt. Alle Richtungen mit Geschwindigkeiten zwischen 2 und 30 Knoten sind dabei. Dazu die stehende See aus SW. Welch ein Spaß beim Aufkreuzen. Wir erreichen doch kurz nach Einbruch völliger Dunkelheit (2 Tage nach Neumond) unser Wunschziel Portopetro und finden Dank Suchscheinwerfer eine für uns geeignete freie Mooring. Endlich Pause. Wir lenzen also die letzten Getränke und gehen Schlafen.

Donnerstag, 6/6 - Final Destination PMI

Nach ausgiebigem Frühstück und kurzem Bad des Steuermanns in den kalten Fluten der Bucht machen wir uns auf zum letzten Schlag nach Palma. Es verspricht ein toller Segeltag zu werden. Als wir direkt neben einem Charterschiff das Bärchen setzen fahren diese aus Freude und Neugier ein paar hektische Kringel hinter uns, um eifrig Fotos zu schießen. Großer Stolz in den Herzen der Walross Crew!!!

Kurz vor sechs am Nachmittag ist die Reise leider zu Ende. Wir sind fest am Steg des Real Club Nautico Palma. Wehmut, Stolz (Havarie-frei), Freude (über die ausschließlich tolle Stimmung) mischen sich. Wollen wir das AIS doch abschalten und unter Tarnkappe einfach weiter in die Karibik segeln? Wir entscheiden uns brav zu sein, und das Schiff der nächsten Crew zur Verfügung zu stellen.

Nach Check In und dringend notwendiger Körperpflege zeigt uns Max den Weg in die Innenstadt. Sehr weit kommen wir zunächst nicht, finden aber an einer kleinen Piazza eine nette Tappasbar, die perfekt geeignet scheint, ein ausgiebiges Captain's Dinner zu genießen. Dafür haben sich alle hübsch gemacht, insbesondere das Doppelzimmer im Achterschiff.

Vor dem Rückweg füllen wir die auf Null gesunkenen Getränkevorräte an Bord auf, um dort weiter zu feiern. Der Steuermann lässt den Schwäbisch-Kurs des Schiffers über sich ergehen. Die Getränkevorräte gehen schon wieder zur Neige, wobei sich die Lautstärke unseres Lachens wohl umgekehrt proportional dazu verhält. Trotzdem werden die einzigen Beschwerden über unsere Feierlichkeiten sich wenige Stunden später in unseren Köpfen abspielen. Denn erst kurz nachdem Marion und Bernd uns um 0430 am nächsten Morgen mit Destination Berlin vorzeitig verlassen geht der Rest der Crew in die Kojen.

Freitag, 7/6 - Kehrwoche

Nach einer kurzen Schlafsession folgt fleißiges Putzen, Aufräumen und Vorbereiten zur Übergabe an Norman und seine Crew, die erst nach unserer Abreise am nächsten Morgen Nachmittags in Palma eintreffen werden.

Wir planen für den Abend noch einen kleinen Zug in die Altstadt. Schließlich müssen auch die verbliebenen Sechs morgen früh um 0645 ins Taxi, um den gemeinsamen Rückflug nach Berlin zu kriegen. Ein Teil von uns will am Nachmittag bereits die Stiftungsfestfeierlichkeiten im Hochverehrlichen besuchen …

WUNDERSCHÖNE SEEREISE EX!

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